09.06.2014: We're going to the beach, beach, beach

 

Wie der Titel schon verrät, ging es am letzten Wochenende endlich mal an den Strand! Das klingt an sich ja schon sehr vielversprechend, aber ich wäre nicht ich (und Anna wäre nicht Anna), wenn das das einzige gewesen wäre, was wir beiden Unternehmungslustigen vorhatten. Aber die Geschichte muss von Anfang an erzählt werden, denn wie es im Leben halt so ist, kam nichts wie geplant.

Mein Ursprungsplan war, alleine am Wochenende nach Cape Cod zu fahren – ein Arbeitskollege hatte es mir empfohlen, und außerdem wollte ich unbedingt mal an die wunderschöne neuenglische Küste. Da ich zum Indian Summer schon längst wieder in Deutschland sein werde, bleibt mir dieser Höhepunkt leider verwehrt, aber ich wollte trotzdem gern ans Meer, und dann am besten doch gleich dorthin, wo Amerika angefangen hat: in Neuengland. Cape Cod, eine Halbinsel in der Nähe von Boston erschien mir da als ideal. (Cod heißt übersetzt übrigens Kabeljau – klingt viel unromantischer – Kap Kabeljau :D ).

Dann erzählte ich meiner neuen Mitbewohnerin, Victoria, davon und sie wollte gern mit – da dachte ich, hey, da können wir uns die Kosten teilen und das Wochenende wird doch nicht so teuer! Wir strichen noch die Übernachtung raus – die Unterkünfte waren entweder zu teuer oder hatten üble Kritiken, und da wir zu zweit gewesen wären, hätten wir uns das Autofahren auch teilen können – alleine je 4 Stunden Fahrt wären mir zu viel gewesen, aber geteilt klang es schon viel besser. Also buchte ich das Auto bei Hertz noch einmal um und alles war perfekt, bis Victoria nochmal nachfragte, wie viel das Ganze denn Kosten sollte. Ich war natürlich ehrlich, mir schwante aber schon Schlimmes. Denn plötzlich meinte sie, es wäre ihr doch zu teuer – mal unter uns, die Ursprungsvariante, auch noch zu übernachten, wäre nochmal 35$ teurer gewesen und damit war sie auch einverstanden. Mit nun vermiester Laune am Freitagvormittag chattete ich per Firmenchat mit Anna – und die erklärte sich kurzerhand bereit, doch mitzukommen. Meine gute Laune war wiederhergestellt, denn diese Variante war noch günstiger, denn Anna hat einen Mietwagen, den sie auch privat nutzen darf. So hat sich also wieder die Lebensweisheit bewährt: Nicht aufregen über etwas, das nicht so funktioniert, wie man es will – so, wie es kommt, ist es am besten. (Und Anna ist die Beste, by the way. )

Also fuhr ich Freitagabend kurz vor 19 Uhr mit dem Zug nach Tarrytown, wo Anna mich abholte, und nachdem wir noch ein wenig Proviant eingekauft, das Wochenende mit einer Maxiflasche Corona begossen und den Tag geplant hatten, hieß es für uns auch schon: Schlafengehen. Denn Samstagmorgen klingelte nach Wecker schon kurz nach halb 5 (uns wurde von verschiedenen Stellen geraten, möglichst zeitig nach Cape Cod zu fahren, weil viele die Idee haben würden, da das Wetter ja super werden sollte...).

Also düsten wir los, sprichwörtlich der Sonne entgegen, und waren aufgeregt genug, um zwischendurch kein Nickerchen machen zu müssen. Über eine Brücke ging es schließlich nach 3,5 Stunden Fahrt auf die Halbinsel und unser erstes Ziel hieß Aptucxet Trading Post. Das ist der älteste Handelsposten Amerikas. Ein wenig unscheinbar versteckt er sich im Wald – ein altes, schindelgedecktes Holzhaus, graubraun von der Witterung, und um einiges unscheinbarer als die nahe, hoch aufragende Holzwindmühle, in der sich ein Atelier befindet. Leider waren wir viel zu früh – das in dem Häuschen untergebrachte Museum machte erst um 11 aus, und so fuhren wir nach ein paar Fotos und nach dem Bestaunen des riesigen Rhododendron-Busches auch schon weiter.

 

 

Der Trading Post und links daneben ein kleiner Kräutergarten voller europäischer Kräuter - an der Minze und dem Schnittlauch hätte ich mich gern bedient

 

Nächster Stopp hieß Falmouth, von wo die Fähre nach Martha's Vineyard ablegt. Da ein Auslflug auf die mit wildem Wein bewachsene Ferieninsel der Reichen und Schönen (u.a. der Kennedys anno dazumal) zu zeitraubend gewesen wäre, spazierten wir an dem kleinen Fischereihafen entlang und gönnten uns in der örtlichen Bäckerei ein paar Backwaren – ein Spinat-Feta-Croissant und ein Cookie – nachdem wir herausgefunden hatten, dass amerikanische Parkuhren anscheinend nur Vierteldollar nehmen.

 


 

Eigentlich wollten wir dann weiter nach Chatham fahren, wo es eine historische Windmühle zu sehen gab, mit der damals das Meerwasser hochgepumpt und aus ihm dann Salz gewonnen wurde. Wir überlegten es uns dann aber bald anders, denn wie Anna es immer vor sich hinsang, hieß unser Motto von da an: We're going to the beach! Nachdem wir uns im Informationszentrum der National Seashore (hat noch keinen Nationalparkstatus, da nicht so groß, aber ist doch schützenswert) informiert hatten, wie man am besten (und möglichst ohne Parkgebühren) zum nächsten Strand kommt, stand unserem Sand-und-Meer-Abenteuer nichts mehr im Weg. Voller Erwartung liefen wir über den Rand der Düne und vor uns breitete sich in einem herrlichen Blau, dank der Brandung mit weißen Schaumkrönchen verziert, der Atlantik aus – mein erster Gedanke nach: Endlich Meer! war: Irgendwo dort hinten ist dann Irland! (Zur Info: Jedes Mal an der irischen Westküste habe ich aufs Meer rausgeschaut und mir gedacht: Dort ist Amerika!)

 


 

 

Gefährlich war es auch noch dort - die Weißer-Hai-Warnung

 

Die Treppen zum Strand konnten wir gar nicht schnell genug runterlaufen, und auch wenn der Sand von der Sonne, die an diesem Tag mit voller Kraft schien, ziemlich aufgeheizt war, fanden wir bald ein Fleckchen für Strandtuch und Taschen und strebten, wie magisch angezogen (so magisch ist es eigentlich gar nicht, eher normal! ) dem Wasser zu. Anna war cleverer gewesen als ich und hatte ihren Bikini mitgebracht. Sie war sogar mutig genug, ziemlich weit rauszulaufen – und wurde glatt von einer Welle fast überrollt. Das Wasser, muss man sagen, war auch wirklich ziemlich kalt – Ozeane heizen sich halt nicht so schnell auf, und vor einem Monat war hier sozusagen erst Frühlingserwachen, also kein Wunder. Jetzt seht ihr, wie tapfer die gute Anna war!

Nach einer Menge Fotos und ziemlich nass ließen wir uns dann auf dem Strandtuch nieder, versuchten die ganzen Fliegen zu ignorieren und brutzelten ein wenig in der Sonne – da mir ein Kumpel von Mariamas Sohn gestern sagte, ich sei braun geworden, denke ich mal, dass es etwas gebracht hatte. (Ich fühle mich immer noch weiß wie Schnee – aber in Asien gilt das immerhin als schön!! )

 

 


 

Nach einer entspannten Zeit in der Sonne mussten wir auch schon zu unserem nächsten Ziel aufbrechen – irgendwo zwischen Wehmut, weil wir gern geblieben wären, und Vorfreude auf unser letztes Ziel an diesem Tag, stiegen wir die Holztreppen wieder hinauf – runter ging viel schneller! Nachdem wir uns in unsere mobile deutsche Sauna (Annas Auto ist ein VW ) gewagt hatten, ging es auch schon weiter: An tollen Sand- und Salzmarschlandschaften – die Dünen reichten bis an die Straße! - vorbei bis nach Provincetown.

 

Dünen bis an die Straße heran

 

Das ist ein hübsches kleines Küstenstädtchen, von dem aus täglich Delfin- und Walbeobachtungstouren starten, und gleichzeitig ein beliebter Urlaubsort für viele Künstler und die „ganz Bunten“ - sprich, da es sowieso am Meer liegt (ok, der Witz ist lasch): für die Leute vom anderen Ufer. Neben dem Pilgrim Tower, der über alles hinwegragt, zeichnet sich der Ort vor allem durch hübsche Sträßchen voller Galerien und Lädchen aus, die zum Bummeln und Anschauen einluden, und die „Szene“ ließ sich auch nichts anmerken – nur sah der eine oder andere Pub so aus, als würde dort nachts mächtig das Leben toben.

 

 

 

Im Hintergrund: Der Pilgrim Tower

 


 

Ein wenig hungrig – nach unserem Picknick am Strand, das aus viel zu weichem Käse und Weintrauben bestanden hatte, kein Wunder – suchten wir uns ein nettes Lokal mit einem günstigen Early Bird-Menü. Bevor wir uns den Salat servieren ließen, verkosteten wir jeder eine lokale Spezialität – nein, kein Hummer, für den die Neuenglandküste eigentlich berühmt ist (wenn man die Tierchen immer in ihren Aquarien vor sich hinvegetieren sieht, hat man höchstens Mitleid mit ihnen), sondern Austern. Gott sei Dank war keine davon schlecht, und so behielten wir auch den Rest des Abendessens dort, wo er hingehört: im Magen. (Die Dinger waren leicht bitter, und ich hatte sie mir salziger vorgestellt ). Zum Hauptgericht hatte Anna Nudeln mit Muscheln und ich bestellte, sehr stilecht, eben Kabeljau.

 


 

Auch wenn wir in diesem malerischen Städtchen, das die untergehende Sonne in ein angenehm warmes Licht tauchte, gern noch länger geblieben wären, mussten wir uns auf den Heimweg machen – es lagen ja noch über 4 Stunden Fahrt vor uns. Nachdem sich Frau Sonne in einem herrlichen Sonnenuntergang, der einem wunderschönen, warmen Tag noch ein Sahnehäubchen aufsetzte, verabschiedet hatte, brach auch die Nacht über uns herein und wir waren ziemlich erschöpft – es half nichts, nach Hause musste gefahren werden. Auf der Hälfte der Strecke fiel uns auf, dass wir uns ziemlich beeilen mussten, wenn ich meinen letzten Zug nach Poughkeepsie noch schaffen wollte, und so ließ ich den deutschen Pferdchen ein wenig mehr die Zügel. Nachts fahren ist ziemlich anstrengend, und das besonders in Amerika, denn hier darf man ja überall überholen – rechts und links. Außerdem war der Verkehr für diese Uhrzeit – nach 23 Uhr – überraschend dicht. Mit anderen Worten, am Bahnhof angekommen hätte ich auch nicht mehr viel weiter fahren können – Kaffee hin oder her. Es war natürlich ziemlich knapp, den Zug noch zu erreichen, und zu allem Überfluss brauchte ich ein anderes Ticket, da nur der Amtrak noch nach Poughkeepsie fuhr. Dank der gewissen Ironie des Schicksals – oder war es Gottes Weise, mir zu sagen, dass er auf mich aufpasst (das ganze habe ich in einem meiner Einträge in Frankreich ja ausreichend diskutiert) – hatte der Zug 12 Minuten Verspätung. Mit einer ordentlichen Migräne, der meine freiverkäuflichen Dolormin nicht mehr beikommen konnten, kam ich erschöpft an, war erleichtert, dass mein braver Ferdi noch dastand und mir aufmunternd zublinkte, als ich ihm das Zeichen (mit dem Türöffnerknopf ) gab – oder vielleicht war auch er froh, mich wiederzusehen, hatte ich ihn doch etwas stiefmütterlich behandelt und ihn über einen Tag allein in der Straße nahe dem Bahnhof von Poughkeepsie stehen lassen.

Der Plan war, nach diesem langen Tag ordentlich auszuschlafen – nur hatten die anderen Hausbewohner etwas dagegen, denn gegen halb 10 ging jemand duschen und schaltete nachher den Fernseher ein – warum müssen die Amis auch immer die „olle Kiste“, wie mein Herr Papa dieses wunderbare Stück Technik schon seit Jahren sehr eloquent bezeichnet, laufen haben?! Letzte Nacht hat einer der Jungs wieder auf dem Sofa übernachtet und das Ding ist die ganze Nacht durchgelaufen – hat mich drei Mal aufgeweckt!

Müde und immer noch mit Kopfweh quälte ich mich dann irgendwann aus dem Bett und nach einem ausgiebigen Frühstück – sowas kann mich mitunter für den Tag motivieren – skypte ich mit meiner lieben Sophie. Nachher fuhr ich Victoria zu AT&T, ihrem Mobilfunkanbieter, da ihr Handy den Geist aufgegeben hatte und ihr laut Vertrag ein Neues zustand. Ich schaute mir eine halbe Stunde lang alles Auslagen sehr genau an, wimmelte mehrere Kundenberater ab – in Punkt Service haben die hier echt was drauf! - und setzte mich für die weiteren anderthalb Stunden Wartezeit wieder ins Auto – und schlief. Danach hatte ich Hunger und wir beschlossen, uns einen FroYo (für die Uneingeweihten: Frozen Yoghurt, der hier eher nach Eis als nach Joghurt schmeckt, und von dem es viele, viele Sorten gibt) zu gönnen.

So ging dann nach einem kurzen Besuch im Supermarkt und im Buchladen auch der ziemlich heiße Sonntag zu Ende und heute habe ich mich wieder in den Alltag gestürzt – leider düster, wolkig und regnerisch.

Umso mehr freue ich mich auf das nächste Wochenende (um mal eure Neugier anzuregen) in der Stadt, die niemals schläft! Bis jetzt ist Amerika nicht langweilig geworden, und da ich jetzt einen genauso unternehmenslustigen Travel-Buddy habe, mache ich mir wegen Langeweile auch nicht die geringsten Sorgen!

 

 

On the road again... 

10.6.14 14:07

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