Montag, 06.01. - Ankunft in Lyon und „Lost in Translation“

Nun bin ich schon seit Montag hier in Lyon, und es kommt mir viel, viel länger vor.

Aber von vorn. Am letzten Sonntag bin ich um kurz nach 21 Uhr von Dresden nach Basel gefahren, von dort nach Mulhouse und von dort dann mit einiger Verspätung (jaja, die Franzosen haben's nicht so mit der Pünktlichkeit ) nach Lyon gefahren. Von dort ging es dann mit dem Taxi (was bei meiner gefühlten Tonne an Gepäck auch die einzig richtige Entscheidung war) zu meiner „Résidence Etudiante“ in der Rue de l'Université in Lyon 7.


Dort bin ich auf den Verantwortlichen getroffen, der mir dann alles wichtige zu meiner Wohnung und dem Haus an sich erklärt hat – leider auf Französisch, weshalb ich mit der Hälfte der möglichen Informationen auskommen muss. Mein erster Eindruck von meinem Zimmer war eher bescheiden, da dieses auch eher bescheiden eingerichtet ist. Klar, es hat nen Schreibtisch, ein Bett, noch einen Tisch, 3 Stühle, einen Schrank, eine kleine Kochecke mit Mikrowelle und ein kleines Bad. Aber ich wäre mit 2 Stühlen mehr ausgekommen, wenn es dafür Lampen gegeben hätte. Oder eine ordentliche Dusche und nicht so eine komische Sitzbadewanne (s. Photo) ohne Duschvorhang.

Flur mit der einzigen Lampe - die bei weitem nicht das Zimmer ausleuchtet

 

Die Kochzeile

 

Das Bad - seeeeehr geräumig

Der Schreibtisch

 

Der groooooße Balkon

 

Die Aussicht vom Balkon: 

 

Außerdem hat der nette Herr mich mit einer Menge Sachen, die ich noch selbst erledigen muss (Anmeldung beim Stromnetzbetreiber, damit man mir nicht den Strom abschaltet, Einrichten des Internets und irgendwelche Versicherungen), überfordert, aber dazu später.

Viel Zeit hatte ich jedoch nicht, mir darüber Gedanken zu machen, denn ich musste ja am Montag noch zur Uni. Also habe ich bis dahin nur die Erfahrung gemacht, dass man die Klospülung besser mit Sie anspricht, und bin dann losgelaufen. Tatsächlich habe ich mich auf dem Weg zur Uni auch nur einmal verirrt, was für eine komplett neue Stadt und für meine Verhältnisse rekordverdächtig ist!! Dort angekommen, habe ich das International Office auch gleich gefunden und dann ging es weiter zu LCL. Das ist die örtliche Bank – hier muss man sich zum Bezahlen von Miete, Strom usw ein Konto einrichten. Leider mussten das außer mir auch noch einige andere tun, was in einer ziemlich langen Wartezeit resultierte. Die hatte aber auch etwas gutes: Mit mir musste auch eine Australierin, Maddy, warten, und so sind wir ins Gespräch gekommen. Es stellte sich heraus, dass sie auch an „meiner“ Uni – Université Jean Moulin Lyon 3 – studieren wird, allerdings in einem Programm, und was erstmal viel wichtiger war: Sie wollte am nächsten Tag auch zu IKEA und wusste sogar, wie man hinkommt . Ein wenig zuversichtlicher bin ich dann nach Eröffnung meines Kontos nach Hause gelaufen. Auf dem Weg dahin habe ich noch schnell bei LIDL eingekauft – die lassen mich selbst in Frankreich nicht im Stich (meine Irland-Mädels wissen, was ich meine :D). Abends habe ich es nach einigen vergeblichen Versuchen doch geschafft (nachdem ich den Hausmeister mit meinem Schulfranzösisch, bei dem ich nie essentielle Sachen wie „Wie stelle ich eine Verbindung zum Internet her?“ oder „Die Verbindung wird nicht hergestellt“ gelernt habe, sowie ein paar Mitbewohner in diesem Wohnheim hier verwirrt habe), eine einigermaßen gute Internetverbindung zu bekommen und mich mal in der Heimat zu melden. Dabei bin ich auch das nächste Problem gestoßen: das wirklich besch.... eidene WLAN hier! Meine Skype-Anrufe sind jetzt von noch schlechterer Qualität als in Irland, was ziemlich nervig ist.


Dienstag, 07.04. - Einrichten mit Hindernissen


Dienstagmorgen habe ich dann mit dem Auspacken meiner Wohnung verbracht, und dann bin ich auch schon zu meinem Treffpunkt mit Maddy gelaufen. Sie brachte noch eine andere Australierin – Elanor – mit und zusammen sind wir also zu IKEA gefahren. Es stellte sich heraus, dass El das IKEA-Angebot so gut wie auswendig kannte und wusste, wo ungefähr wir was finden konnten. Mittagessen gab es natürlich in dem tollen IKEA-Restaurant, obwohl das Angebot eher enttäuschend war. Schwer beladen sind wir also wieder zurückgefahren – habe ich schon erwähnt, dass das französische ÖPNV-System zwar effektiv ist, aber das Fahrkartenkaufen ziemlich dämlich? Da kann man nämlich nur mit Münzen bezahlen, und da ist es egal, ob man eine Einzelfahrt, eine Tageskarte, oder eine Zehner-Karte für 15,70 € kauft.

Zurück in meiner Wohnung habe ich erstmal bemerkt, dass die Glühbirne, die ich für meine neue Schreibtischlampe gekauft habe, nicht da rein passt und habe die Lampe also mit zu Lidl geschleppt, wo es die passende Glühbirne auch nicht gab. Dafür habe ich dort einige andere wichtige Lebensmittel erstanden sowie meinen Vorrat an diversen Putzmitteln aufgestockt (der belief sich vorher auf eine kleine Flasche Spülmittel...). Wieder Zuhause, habe ich also versucht, meinen neuen Duschvorhang (das billigste, was IKEA zu bieten hatte, da ich ihn ja nur für 4 Monate brauche) zu montieren. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass die Stange (auch das billigste, was IKEA zu bieten hatte), von der er hängen sollte, zu lang war. Nach einigen Anstrengungen habe ich ihn zumindest schief montieren können und werde ihn nun, genau wie die Klospülung, auch mit Sie ansprechen müssen, damit er mir beim Duschen nicht auf den Kopf fällt.

Die tolle Sitzbadewanne  

 

Es kommt zwar nich soo sehr zur Geltung, aber das Ding is mehr als schief...

 

Als nächstes wollte ich meinen Behelfs-Wäscheständer aufbauen (von dem muss ich, wenn er mal in Aktion tritt, auch ein Bild machen!!), und habe beim Auspacken festgestellt, dass IKEA extra jemanden eingestellt hat, um solche Dinge möglichst umständlich zu verpacken und mir beim Auspacken das Leben schwer zu machen. Eine gefühlte halbe Stunde später war auch diese Hürde genommen und ich konnte mich meinem Abendessen widmen – frischem französischem Landbrot - Pain de Campagne (wohlgemerkt, nicht Champagne, und ist zumindest ansatzweise dunkel... also eher mittelbraun, aber zumindest kein Weißbrot ) mit Käse. Bei meiner zugehörigen Tasse Tee (dem Reisewasserkocher meiner Familie sei Dank) hatte ich zwar den Verdacht, dass das Wasser hier, dem Geruch zu urteilen, so übel verchlort ist, dass man den Teegeschmack selber auch nicht wahrnimmt, aber eigentlich war ich ganz zufrieden.

Dann kam schon die nächste Hürde auf mich zu: Das Internet funktionierte nicht. Anscheinend war die kostenlose Version hier bloß für einen Tag gültig und so musste ich mich für die sauteure Version für 19,99 € im Monat anmelden. Aber was solls... in der Not frisst der Teufel Fliegen. Nach einer meiner nun wieder möglichen Lieblingsbeschäftigungen – Skypen – habe ich noch den Abschnitt von „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ (immer wieder schön), den sich das Internet hier erbarmt hat zu laden, geschaut und dann war auch schon Schluss .


Mittwoch, 08.01. - Erster Unitag (und kurze Infos zur Uni, zu Lyon und zu Jean Moulin)


Mittwoch – mein erster Unitag, der gnädigerweise erst um 14 Uhr begann. Also konnte ich nochmal zum International Office laufen, wo ich noch etwas abgeben musste und meinen Studentenausweis bekam und gleichzeitig zwei Mädels aus dem SELF-Programm (SELF steht, oh Wunder, für Study in English at Lyon, France), Cynthia aus Peru und Vicky aus Kanada, traf. Nachdem ich noch ein paar Sachen eingekauft habe (Haferflocken für meinen Porridge – in meinem kalten Zimmer braucht man morgens was Warmes) und dabei das erste Mal in einem Carrefour-Markt war, habe ich mich nochmal auf die Suche nach einer Glühbirne gemacht und eine passende in einem weiteren Supermarkt, der ganz putzig „Casino“ heißt, gefunden. Nachdem ich dann noch schnell meine neue SIM-Karte für Frankreich bestellt hatte, ging es also los zur Uni. Dort habe ich – ganz natürlich – eine Menge Leute kennengelernt, deren Namen ich mir nicht alle merken konnte, habe die Einführungsveranstaltung abgesessen und dann dem akademischen Leiter des Programms zugehört, der uns so einiges über Jean Moulin, dem Namensgeber der Uni, und unseren hübschen Campus (s. Bild) erzählt hat.

 


Dieser Campus (der Hauptcampus) der Université Jean Moulin Lyon 3 heißt Manufacture des Tabacs und war früher, Überraschung, eine Zigarrenfabrik (ist gar nicht aus dem Namen ersichtlich :D ). Die Uni selbst zählt ca. 34.000 Studenten.

Lyon selbst ist übrigens die zweitgrößte Stadt Frankreichs, obwohl Marseille den Titel der zweitgrößten französischen Stadt für sich beansprucht. Anscheinend verstehen sich die beiden Städte auch nicht so gut, das ist so wie Cork und Dublin oder Großpostwitz und Obergurig (beides auch Städte von Welt :D) … . Gleichzeitig ist Lyon auch die gastronomische Hauptstadt Frankreichs – ich werde also mal das eine oder andere Restaurant ausprobieren müssen . Lyon gehört zur Region Rhone-Alpes und liegt am Zusammenfluss von Rhone und Saone. Weitere Infos gibt es irgendwann später.

Jean Moulin, der Namensgeber der Uni, war französischer Widerstandskämpfer. Seine Markenzeichen waren Hut und Schal. Diesen trug er nur, weil er, als er von den Nazis im 2. Weltkrieg zu der Unterschrift eines Dokuments, das besagt, dass die Kriegsverbechen deutscher Soldaten in Frankreich in dieser Region in Wahrheit senegalesische Truppen begangen haben (Senegal war damals noch Teil des französischen Imperiums), versucht hatte, sich selbst die Kehle durchzuschneiden. Anführer der Gestapo in Lyon war damals übrigens ein gewisser Klaus Barbie – ein ziemlich übler Kriegsverbrecher. Diejenigen von euch, die mal den Film „Rat Race“ gesehen haben, erinnern sich vielleicht an die Szene mit dem Barbie-Museum – hier ein Link dazu, leider nur auf Englisch: http://www.youtube.com/watch?v=uJMPom6-xmA . Ich will hier nichts lächerlich machen, aber ich muss ganz einfach jedes Mal daran denken...

Ok, zurück zu meinem Mittwoch: Nach den Einführungssachen gab es noch eine Campusführung, die so gut wie nichts gebracht hat, da die netten Herren Studenten nicht laut sprechen konnte und außer denen, die direkt vor ihnen standen, niemand was verstanden hat. Danach bin ich mit einigen SELF-Studenten noch etwas essen gegangen. Normalerweise stellt man sich dabei ja unter einem Panini was leckeres vor, meins war aber nur mit Käse und Hühnchen und einem komischen Senf (wär das Bautz'ner gewesen, hätte das ganze vielleicht noch geschmeckt, aber so... konnte man's vergessen) gegessen.


Donnerstag, 09.01. - Ich weiß, dass ich nichts weiß


Donnerstag begann zumindest in der Uni mit einem Einstufungstest in Französisch... irgendein kluger Mann (irgendein Grieche – Sokrates? Plato?) hat mal gesagt: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, und das trifft meinen Eindruck von diesem Test . Nach einer kurzen Mittagspause war dann mein erster FCC-Kurs, also meine erste Vorlesung. FCC steht für French Culture and Civilization, es ging also um eine Menge Fakten zu Lyon und der Rhone-Alpes-Region, die ich euch ein anderes Mal auf die Nase binde. Kurz vor 16 Uhr war Schluss, also bin ich nach Hause gelaufen und wollte beim Stromnetzbetreiber anrufen. Als ich dann nach mehreren gescheiterten Versuchen (die Nummer, die mir der nette Herr vom Wohnheim gegeben hatte, existierte nicht und es gab in der Leitung immer nur ein durchdringendes Piepen – später stellte sich heraus, dass er mir die falsche Nummer gegeben hatte – grrrrr) und einem Hilferuf in der International Students-Gruppe auf Facebook (dort hab ich die richtige Nummer bekommen...) hatte ich dann nach 5 Minuten Warteschleife endlich jemanden am Telefon und ich konnte mich dort anmelden. Nach einem fast halbstündigen Gespräch (vom deutschen Handy – meine Telefonrechnung wird intergalaktisch in die Höhe schießen, wenn das so weitergeht) und einer weiteren Erstellungsgebühr (20-30 € - irgendjemand hier in Frankreich ist irgendwie der Meinung, dass ich nen Goldesel auf dem Balkon stehen habe -.-) war das dann endlich auch erledigt.

 

So, nachdem ich jetzt 3 Seiten getippt habe, ist endlich der Anfang meines Abenteuers Lyon niedergeschrieben – wenn das so weitergeht, kann mich nachher entweder nichts mehr umhauen oder ich bin das reinste Nervenbündel... Grade hab ich meine Wärmeschuhe aus der Mikrowelle geholt, denn irgendwas scheine ich bei der Bedienung der Heizung falsch verstanden zu haben (oder das Ding gibt nicht mehr her, je nachdem ). Jetzt ist es aber wieder auszuhalten

Liebe Grüße an euch alle aus Lyon!!  

 

 


9.1.14 21:52

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