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28.07. Von irischen Einwanderern, den Ursprüngen amerikanischer Unabhängikeit und tollen Unis

Und da war es schneller passiert, als ich dachte – meine letzte Woche ist angebrochen! Ich kann es, wie schon in vorherigen Einträgen bemerkt, noch immer nicht fassen, wie schnell die Zeit vergangen ist... anfangs denkt man, 3 Monate sind sooo lang, und dann sind sie fast rum. Aber ich habe auch viel erlebt, und das letzte Kapitel meines USA-Praxiseinsatzes ist auch noch nicht geschrieben. Dieses hier ist es noch nicht, keine Angst. Zum Auftakt schleifte ich Victoria am Freitagabend in das Poughkeepsier deutsche Restaurant, das putzigerweise „Schatzi's“ heißt – dort gab es amerikanisiertes deutsche Essen – also auch Burger etc. . Ein alkoholfreies Bier uns eine Bratwurst mit Sauerkraut später entschieden wir uns für einen Frozen Yoghurt als Nachtisch und fuhren dann glücklich und zufrieden wieder nach Hause. Am Samstagmorgen wagten wir, also Anna und ich, uns wie schon vor anderthalb Monaten (viel zu) früh morgens wieder nach Massachusetts. Diesmal wollten wir jedoch nicht ins Urlauberparadies, obwohl Cape Cod echt wunderschön war und der Strand dort in meiner Erinnerung erstmal seinesgleichen sucht. Diesmal ging es in die Stadt, die für vieles berühmt ist: Harvard (was eigentlich in Cambridge liegt, also dem amerikanischen Cambridge – die ollen Nachmacher ), irische und italienische Einwanderer (unschwer zu erkennen an den Caffès und Irish Pubs) und für viele Ereignisse des Unabhängigkeitskriegs – Boston. Der Vorteil an einem frühen Start sind vor allem die freien Straßen – so kamen wir relativ schnell an und parkten unser Auto in Cambridge auf einem der Wohnheimsparkplätze. Diese sind um einiges günstiger, insbesondere am Wochenende, als die in der Stadt, auch wenn man vielleicht ein bisschen mehr Zeit braucht, um mit der T ins Stadtzentrum zu fahren. Dort angekommen, brachten wir nach kurzen Orientierungsproblemen unser Gepäck ins Hostel und dann machten wir uns auf den Weg zum Boston Common, dem ältesten Park der USA. Dieser hatte als Versammlungsplatz und Hinrichtungsort begonnen, heute kann man unter anderem das State Capitol mit seiner Goldenen Kuppel dort bewundern.

 


 

Weswegen wir aber hauptsächlich dort waren: An einem kleinen Visitor Center beginnt der Freedom Trail, der durch Boston führt und einen an die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Verbindung mit dem Unabhängigkeitskrieg führt.

 

 

 

Leider war dieser Laden geschlossen...

 

Vorbei an hübschen Plätzen wie der King's Chapel und der ersten Public School der USA (sowie einem kurzen Boxenstopp in einem FroYo-Laden... wenn ich eins vermissen werde hier, wird es einer dieser Läden in jedem Ort sein ) kamen wir zum Old South Meeting House.

 

Ben Fanklin vor der Old City Hall

 

Dort wurde während der Unabhängigkeitsbewegung ordentlich protestiert und diskutiert. Diese kleine Backsteinkirche mit dem strahlend weißen Turm wirkt zwischen den im Gegensatz dazu relativ tristen Hochhäusern, die sie um Einiges überragen, schon fast winzig, aber irgendwie auch wie etwas Besonderes. Wenn die weiße Spitze im Sonnenlicht aufleuchtet, weiß man automatisch, dass dies ein besonderer Ort ist. Denn nicht nur fanden hier Versammlungen statt, auf dem Vorplatz ereignete sich auch das Boston Massacre, in dem 5 Protestanten, unter ihnen auch der erste Afroamerikaner, der für einen „patriotischen Zweck“ auf amerikanischem Boden starb, von den Briten erschossen wurde.

 


 

Nächste Station war der große Marktkomplex um die Faneuil Hall. Auch dort kann man die erste Versammlungshalle der Amerikaner besuchen, von der aus man aber ins Old South Meeting House umzog, weil der erste Raum zu klein war.

 


 


 

Da uns der Magen dank eines sehr zeitigen Frühstücks ziemlich in den Kniekehlen hing, stürzten wir uns anschließend in das Gedrängel in der Markthalle und ergatterten einen Salat und ein Clam Chowder. Dieses esse ich auch manchmal auf Arbeit, aber das dort sucht noch seinesgleichen. Frisch gestärkt spazierten wir weiter auf dem Freedom Trail, wie ungefähr 1000 andere Touristen. Vorbei an den Irish Pubs und dem Union Oyster House, der ältesten Kneipe der USA kamen wir sozusagen in der Bostoner Little Italy. Dort gönnten wir uns trotz voller Mägen eines dieser Cannoli, ein herrliches Gebäck von Mike's Pastry – falls mal jemand in die Verlegenheit kommt. Egal, wie satt man ist, das muss man probiert haben!

 

 

Im Bostoner "Little Italy"  

 

Nun vollständig gesättigt gingen wir am ältesten Haus Bostons, dem Haus von Paul Revere, vorbei – einem grauen, schief wirkenden Holzhaus.

 


 

Das Museum sparten wir uns auch hier und ich spendete einer Frau, die auf ihrem historischen Glasinstrument netterweise Heines „Lorelei“ spielte, einen Dollar. Warum habe ich Paul Revere erwähnt? Wer im Geschichts- oder Englischunterricht (da wurde das damals in meiner Schulzeit – das klingt jetzt aber alt... - behandelt) richtig aufgepasst hat, kann sich vielleicht an ihn erinnert. Der Silberschmied warnte damals mit seinem Mitternachtsritt von Boston nach Lexington die Kolonialarmee vor den Bewegungen der britischen Truppen, was schließlich in der Schlacht bei Lexington und Concord endete. Henry Wadworth Longfellow hat diesen Ritt, der praktisch in der ersten Schlacht des Unabhängigkeitskrieges endete, in seinem gleichnamigen Gedicht „Paul Revere's Ride“ gebühren verewigt. Dem Helden selbst ist eine Reiterstatue in Boston gewidmet.

 


 

Weiter auf den Spuren des Krieges kamen wir am Copp's Hill Burying Ground vorbei, von wo aus die Briten die Amerikaner in Charlestown auf der anderen Seite vom Charles River während der Schlacht von Bunker Hill, den mittlerweile ein Obelisk als Denkmal ziert, beschossen. Folgt man immer noch dem Freedom Trail, dann überquert man den Fluss und hat einen tollen Ausblick auf den Yachthafen. Dann kann man eben dieses Denkmal und die USS Constitution besichtigen. Dies ist das älteste Kriegsschiff der Welt, das noch im Wasser liegt. Es hat ein eigenes Team von Seeleuten der Marine, die noch heute dort stationiert sind und wurde damals von George Washington selbst in Auftrag gegeben. Es wird übrigens auch „Old Ironside“ genannt, da die Kanonenkugeln an den Außenseiten des Schiffs abgeprallt sein sollen.

 

Eine Nixe :D :P

 


 

Ziemlich erschöpft und mit schweren Füßen spazierten wir wieder zurück zum Hafen nahe der Faneuil Hall und des Columbus Park, wo wir uns auf der Hafenmauer ein wenig ausruhten und das schöne Wetter genossen. Dabei konnte man ausgiebig den Ausflugs- und Privatschiffsverkehr beobachten und neidisch auf die eine oder andere Yacht blicken. Nach einer erholsamen Pause spazierten wir noch zu dem Ort, an dem damals die Boston Tea Party stattfand. Damals hatten sich Amerikaner, aufgebracht über die hohen Teesteuern der britischen Regierung, als Mohawk-Indianer verkleidet und von 3 britischen Handelsschiffen den ganzen Tee ins Hafenwasser geworfen. Heute findet man an der Stelle Nachbauten der Originale, von denen aus man auch Teepäckchen ins Wasser werfen kann.

 


 

Mit einem gesunden Salat machten wir es uns dann in der Nähe irgendeiner alternativen Musik-und-Bewegungs-Veranstaltung bequem und genossen den Ausblick auf die Türme des Finanzzentrums von Boston.

 


 

Schließlich kehrten wir in unser Hostel zurück – in der Innenstadt ist alles fußläufig sehr gut zu erreichen, das sind wir von NYC anderes gewöhnt. Im Hostel machten wir uns frisch und spazierten dann zum Copley Square, wo neben den Hochhäusern die Public Library wieder sehr besonders wirkte.

 


 

Nachdem wir dem Fest dort ein wenig zugeschaut hatten, besuchten wir ganz stilecht einen Irish Pub (endlich ein Guinness – obwohl das hier in Amerika viel weniger herb als in Deutschland oder Irland schmeckt...) und dann eine Tequilabar, deren Sangria ziemlich gut war (die nur leider von dem Schmelzwasser der vielen Eiswürfel verdünnt wurde).

 

Black is beautiful - indeed! 

 

In guter Stimmung spazierten wir dann schließlich wieder ins Hostel zurück und verbrachten die Nacht in unserem stickigen Zimmerchen in unbequemen Betten. Am nächsten Morgen wartete erstmal ein typisch amerikanisches Frühstück, also Bacon, Hashbrowns, Pancakes und Rührei (das besser hätte sein können) auf uns. Nachteil daran ist, dass man nachher noch viel müder ist als vorher, da es einem so schwer im Magen liegt. Vorteil ist, dass man sich bis zum Nachmittag gut gesättigt fühlt. Nachher verabschiedeten wir uns von Boston selbst und brachten unser Gepäck wieder zum Auto. Dann spazierten wir zum Harvard Square und schließlich zur Harvard University selbst, wo wir auf den Spuren von Berühmtheiten wie JFK, der auch in Boston geboren wurde, wandelten und uns vom Flair dieser englisch anmutenden, altehrwürdigen Elite-Universität berauschen. (Mich würde es ja stören, dort zu studieren – bei den vielen Touristen die ganze Zeit... ) Harvard hat wirklich einen hübschen Campus – viel Grün und dazu das starke Braunrot der Backsteinmauern, denen die weißen Türmchen eine gewisse Leichtigkeit verleihen. Hinter dem einen oder anderen Haus verbarg sich auch ein hübsches Gärtchen und für einen Moment wünschte ich mich nach Irland zurück.

 

 

"Stille Nacht" sogar auf Deutsch in den Gesangsbüchern einer Campuskirche! 

 

Wie irisch...

 

 

 

In diesem Wohnheim würde ichs auch aushalten...  

 

 

The man himself - John Harvard (und 100 Chinesen, die alle den Fuß anfassten - muss wohl Wissen oder Glück oder Weisheit bringen :D ) 

 

Leider brach dann ein starker Regenschauer über uns herein, und nachdem wir diesen in den verschiedensten Geschäften am Harvard Square ausgeharrt hatten und die eine oder andere Kuriosität im Urban Outfiters-Laden entdeckt hatten, die man wegen der Gewichtsbeschränkungen für das Gepäck aber nicht mitnehmen kann, spazierten wir zurück zum Auto und machten uns auf den Heimweg. Nach einer Ewigkeit – Sonntagnachmittag befinden sich halb Massachusetts und zwei Drittel von Connecticut auf genau dieser Route, wie es den Anschein hatte – kamen wir schließlich in Tarrytown an, und während ich meine Sachen in Annas Auto zusammenpackte, kam auch schon mein Zug nach Poughkeepsie. So endete auch eines meiner letzten, spannenden, erlebnis- und erfahrungsreichen Wochenenden in den USA, aber Boston habe ich lieb gewonnen. In dieser Stadt, die europäische Elemente mit amerikanischem Großstadtcharme verbindet und dabei eine gewisse Bodenständigkeit behält, könnte ich es länger aushalten.

4.8.14 04:10

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