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15.07. Von schriftstellerischen Größen, berühmten Universitäten – und: von WELTMEISTERN


Da ich in den letzten Blogeinträgen ja schon ausführlich genug amerikanische Autofahrer und die Fußball-WM kommentiert habe, will ich es diesmal auch tun.

Den Autofahrern, wie ich nach einem weiteren Ausflug nur bestätigen kann, hat irgendjemand die Blinker abmontiert und diese mit 10 Hupen und einem weiteren Gaspedal ersetzt – grässlich manchmal, hier zu fahren. Frag mich, wie viele Verkehrsunfälle es hier ständig gibt... .

Und ein kurzer Einschub: Wieder hat das Internet hier nicht funktioniert, aus was für Gründen auch immer. Jetzt geht’s wieder, aber meine ganzen „Wir sind Weltmeister“-Nachrichten sind nicht angekommen. Und da meine Mitbewohnerin noch etwas erledigen musste, ist sie wieder auf Arbeit gegangen und hat mich gestern nach 23 Uhr angerufen, ob ich sie abholen könnte – Glück hat das Mädel, ich war nämlich grad auf dem Weg in die Dusche. 10 Sekunden später hätte ich es nicht mehr mitbekommen.

Heute hat außerdem jemand meinen Honig so gut wie leer gemacht – ziemlich dreist, da er noch fast voll war. :/ Ein Grund, sich auf geordnete deutsche Verhältnisse zu freuen. :D

Sooo – WELTMEISTER!! - Seit 2002 schaue ich die Weltmeisterschaften, und endlich hat einmal das richtige Team gewonnen!! EEENDLICH!! Ein bisschen habe ich es am Sonntag schon bedauert, dass ich nicht in Deutschland war – zum ersten Mal, seit ich hier bin. Aber die gute Laune und die Freude darüber halten immer noch an... wir Deutschen sind wohl ein richtiges Fußball-Volk!!

Sonntag habe ich das Finale natürlich beim New Yorker Public Viewing am East River geschaut. Das ganze war eine fast ausschließlich deutsche Veranstaltung, da auch vom German Bierhaus „Zum Schneider“ organisiert – mit deutschem Bier, deutschem Personal und deutschen Partysongs – und natürlich vielen, vielen Deutschlandfans. (Vor uns standen jedoch ein paar Argentinien-Anhänger – hätte das falsche Team gewonnen, hätte ich über ein bisschen Nachhelfen beim Bad im East River ein wenig mehr nachgedacht :D ). Die Stimmung wollte zwecks Torlosigkeit nicht so richtig aufkommen, alle fieberten jedoch mit, fluchten über vergebene Chancen und zitterten, dass doch nicht die Falschen den Ball ins Netz befördern. Dann das Tor der Argentinier – Herzstillstand und Entsetzen, bis der Linienrichter mit der gehobenen Fahne zum Abseits eingeblendet wurde. Ab da wurde wie über ein eigenes Tor gejubelt. Dann prallte der Ball am argentinischen Pfosten ab, was kurz wie ein Tor aussah – diesmal war das Jubeln umsonst. Zweite Halbzeit, Verlängerung – Mitleiden mit einem blutenden Schweinsteiger und Hoffen auf ein Wundertor, damit es ja nicht zum Elfmeterschießen kommt. Zugegeben, der zweitbestaussehendste Mann auf dem Spielfeld ist ein Hammerkeeper, aber sein Kontrahent ein Elfmeterkiller... . Dann schoss der bestaussehendste Mann auf dem Platz das erlösende Tor – ausgelassener Jubel und genug Glücksgefühl, um das Zittern davor zu vergessen. Dann wieder Anspannung bis zum Abpfiff – die Erlösung kam endlich und der 4. Stern war da – ein Augenblick, wie ich ihn nie wieder vergessen werde. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein so einfaches Spiel – 22 Männer, die nem Ball hinterherrennen und ihn versuchen, in nen Kasten mit Netz zu befördern – so begeistern könnte. Und das tut es immer noch!! Seit 2006 versuche ich mir vorzustellen, wie es ist, wenn das eigene Team Weltmeister wird – und es ist wunderbar!! Danke, Jungs, für dieses einmalige Erlebnis! Ihr habt es verdient!

 

Wir standen unter der Irlandfahne - war wohl ein bischen "Luck of the Irish" mit im Spiel

 

Und da ist die richtige Fahne - Public Viewing am East River 

 

So sehen Weltmeister(fans) aus

 

Empire State Building getting all German

 

Nach einer kurzen Ode an DAS Spiel des Jahres – der nächsten 4 Jahre – und die Erfüllung eines weiteren Traums, kommen wir doch wieder zurück zum Wesentlichen . Natürlich habe ich an diesem Wochenende nicht einfach rumgehockt und Däumchen gedreht. Eigentlich wollte ich ja nach Gettysburgh fahren. Aber da Deutschland seit Dienstag im Finale stand – überragend die Gastgeber platt gemacht, sodass ich bei einem der neuen Kollegen aus Brasilien das Thema Fußball lieber nicht angesprochen habe - habe ich mir dieses Vorhaben aus dem Kopf geschlagen. Da ich hier die einzige Geschichtsbegeisterte zu sein scheine und die 230 Meilen je Strecke nicht zweimal am Tag fahren wollte, habe ich umgeplant.

Freitagabend ging es aber erstmal in die spannendste Stadt der Welt, genauer zum Central Park mit Anna und Tobi. Dort gaben die New York Philharmonics ein kostenloses Konzert auf der Großen Wiese, und da gefühlte Hunderttausend außer uns die gleiche Idee hatten, war es auch eher ein Massenereignis und für meinen Geschmack habe ich nicht genug von der Musik mitbekommen. Aber es hat gereicht – ein wunderbares Ensemble, und wunderbare Stücke: zweimal Richard Strauss (Don Juan und dann Till Eulenspiegel), Smetana mit Vysehrad aus dem Mein Vaterland-Zyklus und schließlich Tschaikovsky's Romeo und Julia. Ein wunderschöner Abend!

 

 

Im Central Park

 

Das Rockefeller Center bei Nacht

 

Am nächsten Morgen holte ich dann mein Auto hab, kutschierte Victoria kurzfristig durch die Gegend, weil sie unbedingt Geld bei der weit entfernten Bank of America abheben und auf das Konto bei einer anderen überweisen musste – da sie aber meine letzte Tankfüllung bezahlt hat, fühlte ich mich dazu irgendwie verpflichtet. Mit Verspätung ging es dann erstmal nach New Haven, Teil eins meiner Connecticut-Tour.

New Haven haben die wenigsten sicher schon gehört, aber Yale University kennt jeder – dort liegt nämlich diese altehrwürdige Universität der Ivy League. Wenn man mal von dem einen oder anderen, weiß angestrichenen und amerikanisch anmutenden Glockentürmchen absieht, wirkt der Old Campus wie ein altes englisches Schloss, das zur Universität umfunktioniert wurde, vielleicht noch mit viktorianischem Touch, was die Fenster betrifft. Ansonsten: englischer Rasen ringherum, verwinkelte Ecken, gusseiserne Tore, Erker, alte Fenster, Efeu an den Außenwänden – wäre es nicht strahlender Sonnenschein gewesen, hätte man denken können, man wäre in Good Old England. Und die blöden Klimaanlagenkästen, die überall in die Fenster eingelassen wurden, haben gestört. Trotzdem war es herrlich dort, und wäre meine Parkzeit nicht durch ein Fehlen an Münzen geschränkt gewesen, wäre ich auch noch länger geblieben.

 

 

So viel Backstein - sehr englisch/irisch/ostküsten-amerikanisch

 

Ein Studentenclub - wie's aussieht, können die sich auch einen eigenen Gärtner leisten

 

Auch das ist Yale, obwohl das nicht zum restlichen Gebäudeensemble passt...

 

Ein passender Spruch am Eingang 

 

 


 

 

Nächster Stopp war das frühere Zentrum der Reichen, die Verleger-Hauptstadt sowie Hauptstadt des Bundesstaats Connecticut: Hartford. Nachdem mein Navi mich wieder kurzzeitig im Stich gelassen hatte, konnte ich zumindest aus dem Auto heraus das hübsche Zuckerbäckerstil-Capitol dieses Bundesstaates bewundern. Schließlich fand ich ein wenig abseits vom Zentrum, zur Zeit der Erbauung in hübschem Farmland gelegen, die Häuser von Harriett Beecher Stowe und Samuel L. Clemens, besser bekannt als Mark Twain.

Zwei der berühmtesten Schriftsteller Amerikas waren doch tatsächlich Nachbarn, und so schloss sich gewissermaßen auch der Kreis. Gettysburgh, wo ich eigentlich hinwollte, war Schauplatz einer großen Schlacht im Amerikanischen Bürgerkrieg, die den Wendepunkt und endlich Siege für die Nordstaaten brachte. Hier, in Hartford, wohnten zwei Menschen, die auf ihre Weise die Sklaverei bekämpft haben – Twain mit „Huckleberry Finn“ und Beecher Stowe, die von Lincoln als die „kleine Frau, die den Bürgerkrieg startete“ bezeichnet wurde, mit „Onkel Toms Hütte“.

Clemens, oder Twain, selbst aus einfachen Verhältnissen, hatte gut geheiratet und konnte sich dank einer guten Heirat ein großes Haus in Hartford leisten, obwohl er immer mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte – wirtschaftlich hatte er einfach kein Gespür. Von außen sieht das Haus wieder sehr englisch aus – Backstein, Türmchen, Erker. Innen wirkt es sehr herrschaftlich, teilweise ein wenig zu vornehm, um hundertrpozentig gemütlich zu wirken, aber auf jeden Fall beeindruckend. Auf der Führung erfuhr ich viel Wissenwertes zu dem Mann, der mich besonders mit „Tom Sawyer“ beeindruckte, als ich noch ein paar Jährchen weniger auf dem Buckel hatte. Von seinen 3 Kindern überlebte ihn nur eines, und dieses blieb kinderlos. Twain war auch ein Arbeitstier, das teilweise 40.000 Worte und mehr an einem Tag zu Papier brachte – zwar verspielte, vertrank und verspekulierte er sehr viel Geld (der Mann hatte sogar einen Billardtisch in seinem Arbeitszimmer und eine Fensterscheibe aus durchsichtigem Marmor), er schaffte es aber immer wieder, mit Vortragsweltreisen, die restlos ausverkauft waren, und Auftragsarbeiten, wirtschaftlich erneut auf die Beine zu kommen.

Die Führerin selbst war sehr souverän, die Ausstellungsstücke wunderschön und die Ausstellungen zu Twain selbst im Museumsgebäude nebenan sehr hübsch aufbereitet und gut recherchiert.

 


 

Beecher Stowes Haus strahlte mehr Gemütlichkeit aus. Die Frau hatte immerhin sieben Kinder, von denen nur noch die Zwillinge, die nie heirateten, mit bei ihr und ihrem Mann im Haus wohnten. Wie die Autorin selbst, die außer „Onkel Toms Hütte“ fast nur feministische Literatur zu Papier brachte, waren sie große Verfechterinnen der Frauenbewegung und Emanzipation – was wahrscheinlich auch einer der Gründe für das Nicht-Verheiratetsein war. Dieses Häuschen, das trotzdem einen relativ gehobenen Eindruck vermittelte, aber trotzdem urgemütlich (und auch viktorianisch – u.a. wurde das Bild von Beecher Stowe's bester Freundin, die die erste große Liebe und Frau ihres Mannes war und wegen deren Tod sich die beiden kennenlernten, im Wohnzimmer über den Kamin gehängt) wirkte, wurde von Zeit zu Zeit auch von Twain besucht. Jedoch muss auch gesagt werden, dass diese Gemütlichkeit und Privatheit vor allem daher rührt, dass es der Alterswohnsitz der Dame und ihres Gatten war. Außerdem verbrachte die ganze Beecher Stowe-Familie jeden Winter im warmen Florida. Da dies einer der Südstaaten war, waren sie wohl dort nicht immer gern gesehen – was sie aber nicht von ihrem Vorhaben abhielt.

 

 


 

Nachdem ich genug für meine Bildung getan hatte – Musik, und nun Museen über die Produzenten meines Lieblingsmediums, dem Buch – fuhr ich auch wieder zurück durch das oftmals wirklich idyllische Connecticut.

Zurück in Poughkeepsie, machte ich mich nochmal an die Arbeit – für Jess, meine 2. Mitbewohnerin, die am schicksalshaften 13. Juli, den die deutsche Fußballfangemeinde noch lange in Erinnerung haben wird (die dritte WM in Folge, in der Argentinien an uns scheiter...), Geburtstag hat, buk ich Apfel-Zimt-Schnecken. Ob sie sich drüber gefreut hat, weiß ich nicht – ein Danke oder so habe ich immer noch nicht bekommen. Dass die Schüssel am nächsten Tag fast leer war, scheint aber genug des Lobes zu sein. (Was ich allerdings immer noch nicht verstehe: Ich lasse immer für alle etwas von meinem Gebackenen stehen, aber trotzdem wird sich immer noch fröhlich an meinen Lebensmitteln bedient – mein Frischkäse, mein Müsli, mein Honig... ich glaube, diesmal muss ich echt etwas sagen. Andererseits wohne ich nur noch 2,5 Wochen hier – was solls. )

17.7.14 03:44

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