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07.07.: Aller Guten Dinge sind Drei!



Die Tage im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind für mich nun gezählt – in weniger als einem Monat befinde ich mich wieder (wenn denn alles gut geht...) auf deutschem Boden. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Aber dieser letzte Monat hier, der soll sich wenigstens lohnen! Dank Projektarbeit und meinem regulären Arbeitsaufwand habe ich im Moment eher längere Arbeitszeiten – und auch wenn ich mich über den Einzug ins Halbfinale nicht beschweren will, frisst Fußball auch ganz schön viel Zeit. Spätestens Sonntag ist der Zauber jedoch auch wieder vorbei.

Bevor ich jedoch mit dem eigentlichen Eintrag anfange, möchte ich eine Vorbemerkung zu amerikanischen Autos und vor allem ihren Fahrern machen. Bitte nicht falsch verstehen, ich liebe meinen Ferdi über alles, er ist mir ein treuer Begleiter und jedes Mal, wenn ich vom Zug oder von der Arbeit komme, leuchtet er mir freundlich entgegen – wir beide sind bis jetzt ein Supergespann! Aber Ferdi ist ein Ami, und amerikanische Autos haben ein grauenhaftes Beschleunigungsverhalten. Egal ob Pick-up oder Chevy Spark, egal ob Dodge oder Impala, alle brauchen sie ewig, bis sie wirklich in Bewegung kommen – da lob ich mir VW, Audi, Mercedes und Co. !! Aber davon abgesehen zeigen die Fahrer der Autos hier sehr ausdrücklich, warum die USA nach Hofstede die maskulinste Gesellschaft der Welt sind: Der Erfolg des Einzelnen steht im Vordergrund – was in der Autofahrerpraxis heißt: Selber ja überall reindrängeln, aber andere die Spur nicht wechseln lassen. Auch noch das größte Geschwindigkeitsbegrenzungsschild missachten, aber auf der Überholspur durch die Gegend schleichen. Wie eine gesengte Sau fahren, andere schneiden, dicht auffahren, Lichthupe usw., aber wehe, jemand kommt ihnen zu nahe oder muss kurz vor der Ampel die Spur wechseln – den hupen wir an und/oder werfen ihm obszöne Gesten zu. Die Unfallraten hier will ich nicht sehen... auf deutsche Straßen freue ich mich wieder! (Und es mag gemeckert werden über den schlechten Zustand unserer Straßen – Leute, ihr seid noch nie in New York State Schlaglöchern ausgewichen!!)

Auch wettertechnisch gab es in den letzten Tagen einiges zu erleben. Den Anfang machte am Mittwoch das heftigste Gewitter, das ich je erlebt habe (hier kommen väterliche Gene durch!!) - Blitze im Sekundentakt, sintflutartiger Regen und nachtschwarzer Himmel. Sofort gab es Gewitterwarnungen und Flutwarnungen – die Amis sind da ja nicht zimperlich und schreiben in der Warnung gleich mit, dass man ein Notfall-Kit haben sollte und dass Blitzschlag der häufigste Todesursache in Verbindung mit Naturereignissen ist. Donnerstag stießen dann über Poughkeepsie zwei Gewitter zusammen – innerhalb von 2 Minuten gingen wir von kein Regen zu „so viel Regen, dass es die Scheibenwischer nicht mehr schaffen“ über. Die Wolken sahen echt toll aus – irgendwie weltuntergangsmäßig. Da dann auch gleich die Ampel auf der sechsspurigen Hauptstraße nur noch teilweise funktionierten, nahm ich den Umweg über das IBM-Gelände, wo mich „nur“ Aquaplaning erwartete – es war also sehr spannend.

 

 

Diese Bilder sind noch nicht mal bearbeitet  

 

Freitag zog dann Hurricane Arthur an der Küste vorbei – ich war jedoch auf dem Weg ins Landesinnere, wo das Wetter bedeutend angenehmer war.

So, jetzt aber zum eigentlichen Thema: Wo war ich wohl zum dritten Mal, damit der Titel passt? - New York City passt nicht, da war ich schon öfter. Buffalo ist die richtige Antwort!! Anlässlich des amerikanischen Nationalfeiertags, dem 4. Juli, fuhr ich am Freitagmorgen mit dem natürlich viel zu späten Amtrak los, um Anneke, Alex, Sonja und Sienna zu besuchen und den Unabhängigkeitstag stilecht in Familie zu verbringen. Den Anfang machte das Feiertags-BBQ zusammen mit Alex' Eltern – es gab Hot Dogs, Burger (selbst gegrillt natürlich), Nudelsalat, Couscoussalat und einen wunderbaren Kuchen – Kompliment an die Bäckerin!! So satt war ich schon lange nicht mehr – um genau zu sein, seit ich das letzte Mal dort war... Besuch in Buffalo ist vielleicht schlecht für die Figur (Alex nennt Anneke immer the next Christiana, da die Gute auch immer so kocht, als würden alle innerhalb der nächsten 2 Stunden verhungern ), aber gut für alles andere, denn im Ausland auch Familie zu haben lässt einen gar nicht erst an Heimweh denken. Mit einem Besuch bei den Vieren von Zeit zu Zeit könnte ich es hier drüben auch länger aushalten – außerdem ist ihr Gästebett viel bequemer als mein Bett hier. Uuund Sienna ist da – mit der Zeit vermisst man es sehr, einfach einen Hund zu haben, der sich einfach freut, wenn er gestreichelt wird. Am liebsten hätte ich die Gute mitgenommen.

Nach dem Dinner fuhren wir nach Niagara Falls und von dort brachen dann Anneke, ihre Schwiegermutti Gale und ich auf zu den Fällen, um das 4th of July-Feuerwerk zu bestaunen, und zwar vom Dach eines Parkhauses aus. Zuerst schauten wir das über den Fällen an und dann eins über Hyde Park, das über eine halbe Stunde andauerte – das war fast besser als Silvester und einfach magisch! Wunderschönes Feuerwerk, da mit Weiß-Rot-Blau endete – da kann man sich fast patriotisch fühlen, obwohl man kein Amerikaner ist! Die Aussicht an sich war auch beeindruckend – da typisch für hier rings um eine Attraktion ein wahres Vergnügungsparadies gebaut wird: Hotels, Casinos, alle möglichen Freizeitaktivitäten, die dann natürlich herrlich durch die Nacht leuchten. Sowas ist viel schöner, als es die Fotos je hergeben könnten, und es ist definitiv eines dieser Erlebnisse, die meine Zeit in den USA einzigartig machen!

 


 

Danach standen wir allerdings vor einem Problem – wie wir wollten sowohl alle Leute im Parkhaus als auch die von den umliegenden Parkmöglichkeiten nach Hause – Stau vorprogrammiert. Als sich nach eine Stunde noch nichts bemerkte, machte sich besonders Anneke große Sorgen, da wir Sonja bei den Männern gelassen hatten und sie bald Hunger haben würde. Schließlich kam Alex bis zum Parkhaus, auf dessen Dach wir immer noch mit dem Auto festsaßen, und während Gale das Auto nach unbestimmter Wartezeit nach Hause fahren wollte, liefen Anneke und ich zu Alex und der Gott sei Dank tief schlafenden Sonja. Alex hatte mit dem Satz: „I'm here with the baby, and my wife's on top of the garage, and the baby will be hungry soon“ (oder so ähnlich) einen Parkplatz ergattert und so fuhren wir dann schließlich wieder nach Hause. Für die arme Gale wurde es dann auch ein kürzerer Abend als gedacht – also trotz allem noch ein Happy End!

Am nächsten Morgen schliefen wir ein bisschen aus und um meine Real-America-Experience perfekt zu machen, fuhren in ein richtiges Diner zum amerikanischen Frühstück (das kein anderes auf dieser Welt, was die Kalorien betrifft, toppen kann!): Rührei, Bacon und Pancakes. Das Frühstück ist meine Hauptmahlzeit am Tag, aber das war genug für 2 Tage . Davon abgesehen war es aber auch richtig lecker, und außerdem darf man sich ja von Zeit zu Zeit auch mal was gönnen.

 


 

Danach ging es, eeeendlich, nach KANADA!!

 


 

Oh Canadaaaa

 

Da ich diesmal alle nötigen Dokumente bei mir hatte, konnten wir doch tatsächlich zum rot-weißen Ahornblatt-Nachbarn fahren! Als Kirsche auf dem Sahnehäubchen gab es sogar einen entsprechenden Stempel in den Reisepass – ich war glücklich. Da an diesem Tag bei angenehmen Temperaturen auch eine super Sicht war, konnten wir von unserer Seite am Lake Ontario auch Toronto auf der anderen sehen – atemberaubend. Fast ein wenig ungewohnt war es, dass hier plötzlich wieder Meter und Grad Celsius genutzt wurden – da fühlt man sich doch gleich fast zu Hause. Viel Zivilisation gab es ringsherum nicht, dafür aber eine Menge Weingüter – also wenn ich die Wahl hätte... . Und so verkosteten Anneke und ich einige Weine – die Weißweine konnten es zwar mit denen vom Schuckert nicht aufnehmen, und auch die Rotweine kann man nicht so sehr mit den französischen vergleichen, aber auf dem Chateau des Charmes, einem Weingut von französischen Einwanderern, verkosteten wir einen exzellenten Cuvée, der seine 40$ pro Flasche hier durchaus wert ist – wenn ich denn so viel Geld für Wein ausgeben würde und wenn ich so viel Gewicht noch im Koffer frei hätte (das wird auch ohne eine Flasche Wein knapp...). Dank der Witterungsverhältnisse ist das dort oben jedoch eine wunderbare Eisweingegend – der war mir aber auch zu teuer und zu schwer.

 

Weinreben, Lake Ontario und Toronto - was will man mehr? 

 

Chateau des Charmes - ein französisches Weingut mit französischem Charme, und natürlich gutem Wein!

 

Nach einem kurzen Exkurs zu den Gaumenfreuden fuhren wir zum Clifton Hill und konnten, nachdem wir uns durch die Massen in den Straßen rings um die verschiedensten Freizeitaktivitäten (mein Favorit war Dracula's Haunted Castle, das die ganze Zeit die Psycho-Titelmusik spielte - FAIL!!) geschlagen hatten, konnte ich die Niagarafälle nun endlich aus der dritten möglichen Perspektive betrachten – aus der schönsten (wenn auch nicht aufregendsten ). Ich glaube, ich kann mich an diesen Wasserfällen nie satt sehen und würde am liebsten gleich nochmal hinfahren – selten hat mich etwas so beeindruckt, aber das habe ich in diesen letzten 2 Monaten schon öfters geschrieben. Vielleicht liegt das auch nur an mir, aber mich kann an diesem Land hier (bzw an den 2 Ländern) einfach so viel beeindrucken.

So konnte ich also sowohl die American Falls in voller Größe und die Horseshoe Falls zusammen mit dem Hexenkessel von ihrer schönsten Seite betrachten – komplett mit Regenbogen und strahlendem Sonnenschein. Was will man mehr?

 

 

Touristenort Nr 1 - genau so, wie man sichs vorstellt

 


Horseshoe Falls und der Hexenkessel

 

Fast schon kitschig - American Falls mit Regenbogen

 

Und nochmal alle beide  

 

Und weils so schön ist - nochmal die Wasserfälle und ich, like a Diva :D 

 

Ein wenig müde (liegt siiiicher nicht an der Weinverkostung ) fuhren wir wieder zurück nach Buffalo – vor allem Sonja hatte nun keine Lust mehr aufs Autofahren und Sienna war auch überglücklich über ein bisschen Gesellschaft!

Auch wenn wir immer noch satt waren, tischte Anneke die Reste vom Vortag auf und schließlich war der Appetit größer als das Sättigungsgefühl und so schlugen wir uns trotzdem den Bauch voll. Nach einer Verdauungspause und nachdem Alex (nach Vorlesen auf Deutsch – Respekt!!) Sonja gebettet hatte, wurde mir eine weitere amerikanische Spezialität kredenzt: S'mores! Das sind Graham Crackers mit über dem Grill fast flüssig gemachten Marshmallows und Schokolade – einfach himmlisch! (Über Kalorien reden wir von jetzt an nicht mehr, Punkt!) Damit nicht genug, gab es noch Kuchen und Eis... wie gesagt, wir reden nicht mehr über die K. .

Am nächsten Morgen hatten wir ein Skypedate mit der Family – Oma, Mami, Papi und Leo freuten sich, auch die Verwandten auf der anderen Atlantikseite und vor allem die goldige Sonja zu sehen! Nachher trafen wir 2 Freunde von Anneke und Alex, die sich gerade verlobt hatten, zum Brunch. Für mich gab es diesmal ein Omelett mit Paprika und Kräutern sowie Obst – also ein wenig gesünder, aber satt hat es trotzdem gemacht.

Danach luden wir Anneke beim zweitbesten Freund der Frau, dem Friseur, ab und Alex zeigte mir und der schlafenden Sonja den Campus der University of Buffalo – der ist riesig und richtig schick. In den Studentenwohnheimen dort würde ich wirklich gern wohnen!! Und auch die Sportanlagen sind, typisch amerikanische Uni, auch nicht von der Hand zu weisen! (Daneben kann sich die DHBW nicht sehen lassen... was Studiengebühren so alles anrichten können. ) Danach besichtigten wir noch kurz den Erie-Canal, der früher vom Lake Erie bis nach Albany verlief, wo er in den Hudson mündete und somit die Großen Seen mit New York City und dem Atlantik dort verband. (Da ich ein Zugticket hatte, musste ich auch kein Ruderboot kapern – ok, schlechter Scherz. )

Dann holten wir die frisch frisierte Anneke wieder ab, holten schnell ein (wirklich leckeres) Sub bei Wegmann's und dann musste ich auch schon wieder Abschied nehmen: Erst von Sienna und dann von Sonja, Anneke und Alex.

Es war ein wirklich schönes Wochenende und die beiden wissen bereits, dass sie in Großpostwitz sowie dort, wo auch immer ich wohnen werde, immer herzlich willkommen sind!

Es ist ein wahrer Luxus, Familie im Ausland zu haben – zumindest von diesem Standpunkt habe ich nichts dagegen, wenn sie sich weiter in alle Himmelsrichtungen verteilen. Es ist auch wahnsinnig schön, Freunde überall zu haben, aber Familie ist da noch etwas anderes – das ist schwer zu beschreiben, aber es gibt einem ein ganz besonders Gefühl, willkommen zu sein und macht es leicht, sich zu Hause zu fühlen. Home away from home, sozusagen. Deshalb: Gerne wieder! (Wann auch immer das ist... )

10.7.14 02:45

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