Letztes Feedback

Meta





 

16.06 These streets will make you feel brandnew, there's nothing you can't do

 

Jede Stadt hat ihr eigenes Flair – das ist nicht nur so eine dahingeworfene Phrase, das ist die Wahrheit. Es ist schwer zu sagen, was dieses Flair ausmacht, da so viele Elemente da hineinspielen – die Menschen, die Gebäude, die Parks, das Umland, das Wetter – alles beeinflusst das Gefühl, das man leise in sich spürt und das man erst im Nachhinein oder nach ein paar Tagen in dieser Stadt wirklich wahrnimmt. Dazu gehören dann auch die Erinnerungen, die man mit dieser Stadt verknüpft – Geräusche, Gerüche, Gefühle – und es sind besonders diese, die sich unterbewusst einprägen und die Angewohnheit haben, plötzlich wieder aufzutauchen und einen für einen Sekundenbruchteil wieder zurück in diese Stadt nehmen. Sofort hat man ein Bild vor sich und einen überfällt eine Sehnsucht nach dieser Stadt. Wenn dieser Augenblick verstrichen ist und man sich zurück in der Realität findet, möchte man am liebsten den nächsten Zug oder Flieger in diese Stadt nehmen, nur um wieder dort zu sein, und um dieses Gefühl, das einen so plötzlich gepackt und erfüllt hat, erneut durch sich strömen zu lassen, plötzlich so Vertrautes wiederzusehen und sich angekommen zu fühlen.

Manche Städte ziehen einen, auch im Nachhinein, sehr langsam und ruhig in ihren Bann, sodass man es kaum merkt und sich dieser leisen Sehnsucht nach diesem Ort erst bewusst wird, wenn sie einen wieder packt. New York City ist da anders – New York City packt einen in dem Moment, in dem man ankommt, überrollt einen mit dem Lärm von Autos, ungeduldig hupenden Taxifahrern und heulenden Sirenen, zieht einen mit seinen imposanten Gebäuden, architektonischen Meilensteinen und bunten Lichtern und wer einmal in den Sog aus Eindrücken gezogen wurde, den lässt er so schnell nicht mehr los. Ich habe ein Wochenende dort verbracht und ich wusste schon, als ich damals am Anfang meines Praktikums dort aus dem Bus stieg, dass mich diese Stadt nie wieder vollständig loslassen wird. Und eigentlich kann ich mich nur darüber freuen – denn von einem so eindrucks(über)vollen Mix aus allem, was die Welt, die Menschheit, unsere global(isiert)e Gesellschaft und die Zivilisation zu bieten haben, einem lauten Gewirr voller Träume und Ideen (wo man wirklich das Gefühl bekommt, dass es, wie der Titel sagt, nicht gibt, was nicht möglich ist), will man auch gar nicht losgelassen werden.

Mein Wochenende, das sich weder mit einem noch in hundert Adjektiven zutreffend beschreiben lässt, begann am Freitagabend im strömenden Regen. Unter meiner quietschgelben Regenjacke mehr oder weniger gut versteckt eilte ich von der Grand Central Station bis zum Times Square und dankte den Stadtplanern von Anno Dazumal – hätten sie, vom Broadway mal abgesehen, nicht dieses akurate Netz aus senkrecht und waagerecht verlaufenden Linien gezogen, ich wäre komplett verloren gewesen! Mühsam schlug ich mich durch den nicht nachlassen wollenden Gewitterschauer – typisch New York, wenn, dann von allem gleich ein bisschen zu viel – bis zum Ticketschalter am Times Square, wo man Tickets zum halben Preis für den Broadway erstehen konnte. Dort traf ich Mareike, die ich sonst nur von unseren Calls im Zwei-Wochen-Takt (wir arbeiten in einem Team zusammen an einem Projekt, ohne hier ins Detail gehen zu wollen) kenne und war erleichtert, mich in dieser verrückten Stadt nicht verirrt zu haben.

 

 

New York präsentierte sich an diesem Freitag erstmal regennass

 

Wir kauften 2 Tickets für „Phantom der Oper“ zum halben Preis und machten uns, mit Zwischenstopp bei Starbucks, auf zu dem Musicaltheater, in dem für mich gewissermaßen ein Kindheitstraum wahr werden sollte.

 


 

Vor vielen, vielen Jahren haben meine Eltern mal eine CD von diesem Musical gekauft, und seitdem hat mich die Geschichte von einem Phantom (die Oper war mir als Kind egal ) fasziniert. Wie an viele Eindrücke in diesem Alter erinnert man sich später zwar wieder, wenn es soweit ist, aber über viele Jahre hatte ich es vergessen. Und nun hielt ich an diesem Freitagabend, nass bis auf die Haut trotz Regenjacke, tatsächlich die Eintrittkarte dafür in der Hand und habe mich gefreut wie ein kleines Kind. Die arme Mareike musste ich noch daran erinnern, dass ich mich normalerweise doch ein wenig erwachsener benehme, und dann traten wir auch schon ein in ein altes, vornehmes Opernhaus (zumindest von der Inneneinrichtung her ). Da wir beide aussahen wie die sprichwörtlichen begossenen Pudel, machten wir dem herrlichen Interieur leider keine Ehre, aber das war uns egal – hatten wir doch wunderbar gelegene Plätze bekommen! Reihe I, in der Mitte – nah genug, um jedes Kostümdetail zu sehen, und fern genug, um alles zu sehen, ohne ständig den Kopf drehen zu müssen.

 


 

Vom Ambiente noch beeindruckt und aufgeregt verquatschten wir die Zeit bis zum Vorstellungsbeginn und was sich uns dann in 2 Akten darbot, war genauso beeindruckend. Wie eine Oper, nur kürzer, leichter und nicht so opernhaft gesungen, eine nette Geschichte à la Die Schöne und das Biest – nur, dass diesmal das Biest nicht die Schöne bekam – herrlich inszenierte Orchestermusik mit elektronischen Elementen (die obligatorische E-Gitarre zum Beispiel), wunderbare Stimmen, atemberaubende Szenen- und Bühnenbilder, herrliche Kostüme und beeindruckende Darsteller – besser hätte dieses Spektakel, das ein paar meiner liebsten Künste vereinte, gar nicht sein können. Die Musik von Andrew Lloyd Weber hat mich, wie damals als Kind, in ihren Bann gezogen – klassisch und modern, aber nie langweilig – weiter kann ich es einfach nicht beschreiben, aber wenn alle Musicals so einen Eindruck auf mich machen würden, dann würde ich mir an jedem Wochenende eins anschauen (bis ich pleite bin ).

Wie aus einem Traum erwachten wir, als wir aus diesem klassischen, imposanten Gebäude wieder heraustraten und uns bald auf dem Times Square wiederfanden, wo um dieses Zeit noch mehr als tagsüber das Leben zu toben schien. Denn im Dunkeln kommen die vielen Leuchtreklamen noch viel mehr zur Geltung und bei der Hektik und dem Chaos, verstärkt durch viele bunte Lichter um einen herum, kann das Herz schon mal schneller schlagen – der Puls dieser Stadt schlägt schon seit Jahrzehnten viel zu schnell, als jeder Arzt erlaubt, aber der Organismus Manhattan geht daran nicht kaputt, er wird nur noch lebendiger.

 

Das Chrysler Building - eine leuchtende Spitze über der Grand Central Station

 

Diese Erlebnisse eines Abends waren auch allemal die weniger als 4 Stunden Schlaf wert, die ich bekam, bevor der Wecker wieder klingelte und ich meine zugegebenermaßen etwas lange Reise in diese verrückte Stadt wieder anbrach. Diesmal traf ich an der Grand Central Station Anna und nach einem Boxenstopp bei Starbucks und der Lobby vom Chrysler Building, an dessen Außenseiten auch als Stilelemente Autoteile montiert sind, hieß unser erstes Ziel United Nations Plaza.

 


 

Dort wurde fleißig gebaut, weswegen man nicht so viel sehen konnte. Nachdem wir uns das Bürogebäude der Vereinten Nationen von draußen angesehen hatten – es gibt bei diesem quaderförmigen Gebäude übrigens auf den großen Seiten Fenster, damit niemand ein Eckbüro bekommt- machten wir erstmal eine kurze Pause, die wir zum Eincremen mit Sonnencreme nutzten.

 


 

Das Wetter hätte nämlich nicht besser sein können an diesem Samstagmorgen – ein leichtes Windchen wehte, blauer Himmel und Sonnenschein! Danach liefen wir zum Helmsley Building, an dem eine sogenannte Wolkenkratzertour – ein Spaziergang zu den berühmtesten Hochhäusern von Midtown North, wie dieser Teil Manhattans heißt. Das Helmsley selbst, das in der Zeit gebaut wurde, in der noch jedem Wolkenkratzer ein Name gegeben wurde und das Sitz der Eisenbahngesellschaften war, reihte sich ein in berühmte Sehenswürdigkeiten wie das General Electric Building oder die Zwillingstürme des Waldorf Astoria (in das wir einen kurzen Abstecher machten – ein bisschen Luxus muss sein, und wenn er nur angeschaut wird ). Zwischen diesen Meisterwerke der modernen Architektur mit ihren vielen Fenstern oder Glasfronten erhob sich, leider aufgrund von Bauarbeiten fast komplett eingerüstet, die wahrscheinlich schönste der New Yorker St Patrick's Cathedrals. Leider war auch innen alles voller Gerüste, weswegen wir die Pracht der Kathedrale des irischen Nationalheiligen – genug Iren gab und gibt es dafür ja in New York – leider nur eingeschränkt genießen konnten.

 

General Electric Building links und das Waldorf Astoria rechts

 

 

St. Patrick's - voller Gerüste, leider...

 

Ganz stilecht flanierten wir – sowie 5000 andere – danach die 5th Avenue entlang, bestaunten die Auslagen der Designergeschäfte, entdeckten eine Art indisches Straßenfest, überquerten ganz New York-typisch Straßen, wann immer sie frei waren und bogen irgendwann rechts ab Richtung Westufer Manhattans. Von dort startete unsere Bootstour um die ganze Insel herum. Nachdem wir ein paar gute Plätze auf dem Sonnendeck gefunden und nochmal Sonnencreme nachgeschmiert hatten, legte das Schiff auch bald ab und unter den Kommentaren unserer Guides schipperten wir los Richtung Süden auf einer Reise zu Wasser, die uns den ganzen Facettenreichtum von Manhattan nahelegen sollte. Nachdem wir gebührend die Wolkenkratzer der Midtown, angeführt von Empire State Building und Chrysler Building, das ich persönlich schöner finde, bestaunt und auf SD-Karten verewigt hatten, tauchte links von uns Greenwich Village mit seinen Backsteinbauten auf.

 

 

 

Auf der rechten Seite baute sich langsam Jersey City auf, doch dann, als die Hauptstadt New Jerseys mit seinen eigenen Hochhäusern wirklich interessant wurde, erhob sich rechts der Financial District von New York City mit noch höheren und noch imposanteren Gebäuden auf. Auch wenn nun der Freedom Tower als erster und höchster Turm – symbolträchtige 1776 Fuß - des neuen World Trade Center-Komplexes alle anderen überragte und zweifellos am schönsten aussah, konnte man das Loch, das eine Gruppe Terroristen vor 13 Jahren in die berühmte Skyline riss, noch erkennen. Vorbei an der Südspitze Manhattans verabschiedeten wir uns mit noch ein paar Fotos dieses eindrucksvollen Arrangements, bevor sich unsere Blicke den Stars der Bucht zuwandten.

 

Jersey City ...

 


... und der Financial District - um den Freedom Tower ist es noch ein bisschen leer...

 

In dem irischen Lied „The Flight of Earls“ wird von diesen Zweien in der Zeile „So we walked on Ellis Island, and the Lady in the Bay“ gesprochen, „Isle of Hope, Isle of Tears“ widmet sich der Einwanderung der Millionen Menschen selbst, über die nach einer stundenlangen Prozedur von Befragungen und Untersuchungen auf Ellis Island entschieden wurde, ob sie Fuß in die Vereinigten Staaten setzen durften oder nicht. Kurz nach diesem Meilenstein amerikanischer Geschichte tauchte dann die Lady in the Bay auf, die Freiheitsstaue, die den ankommenden Schiffen im Hafen von New York ein Licht entgegenstreckt und ihnen den Weg weist in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in einen Traum von Freiheit und Selbstentfaltung.

 

 


 

Wieder auf Manhattan - auf Wolkenkratzer folgt das East Village

 

Nach diesem Highlight der Fahrt strebten wir wieder Manhattan zu und unterquerten die BMW-Brücken – Brooklyn, Manhattan und Williamsburg Bridge, während neben uns die Skyline von Manhattan in ihrer Vielfalt auf der einen Seite vorbeizog und auf der anderen Seite Brooklyn.

 

Das B von BMW  

 

Bald tauchte links auch das Yankee Stadium auf, das unseren fröhlich vor sich hinplappernden Guide zu einem Ausflug in die Baseballgeschichte und ihre hier begründeten Legenden und Helden bewegte.

 


 

Links sah man die früheren Ghettos von Harlem, einem Zuhause des Jazz. Am Nordende der Insel befand sich ein so gut wie möglich naturbelassener Park, der noch genauso sein soll wie er war, bevor die ersten Siedler hier landeten. Und hier endete auch jene Vielfalt Manhattans – die schicken Wolkenkratzer mit ihren Glasfassaden des Financial District, die schicken Wohngegenden von Greenwich und East Village, die altehrwürdigen Größen von Midtown, die Ghettos und Wohnblöcke von Harlem, die Kuppeln und Türme der Columbia University und schließlich das Grün der Parks.

 

Die Skyline von Midtown - hübsch abgestuft  

 

Mit Kriegsschiff und einer Concorde davor - wenn das nichts ist  

 

Hungrig verließen wir bald wieder das Boot und nach einem stilecht amerikanischen Dinner bei McDonald's am Times Square stürzten Anna und ich uns in die Shoppingtempel des Broadway und dann hieß es auch bald für diesen Tag schon wieder Abschied nehmen, denn im Gegensatz zu dieser Stadt brauchte ich nun wirklich bald Schlaf.

 

Stilecht bei McDonald's  

 

Am nächsten Morgen, nach einem Skypedate mit meinen 3 „Verwandten“, nahm ich wieder 100 Minuten Zugfahrt auf mich und traf die gute Anna an der Grand Central Station. Nun wurden wir sozusagen richtige New Yorker – wir nutzten die Subway, die ungefähr so chaotisch und eng war wie die Métro in Paris. Vorbei an wunderschönen Stadtvillen näherten wir uns augenscheinlich dem Central Park – dort war es dann am hübschesten, teuersten und exklusivsten. Ein Hauptteil unseres Programms an diesem herrlichen Sonntag hieß Metropolitan Museum of Art.

 


 

Ähnlich wie der Louvre beherbergt auch das Met, wie es der Einfachheit halber genannt wird, in seinen altehrwürdigen, klassizistischen Hallen eine Vielzahl von Ausstellungen aus verschiedenen Epochen, nur übertrifft es den Louvre noch in seiner Verschiedenheit und vor allem in in seiner Aufmachung. Hier waren die Räume stilistisch passend gestaltet – ein Tempel und ein Grabmal im ägyptischen Teil, der mich an meine jugendlichen Träume von einer Karriere als Ägyptologin erinnerte, antike Säulen und klassisch weiße Wände in dem Teil, wo das alte Rom und das alte Griechenland präsentiert wurden – die Kunstfertigkeit und Realitätsliebe gepaart mit dem antiken Schönheitsideal der Perfektion beeindrucken jedes Mal – weiche, warme Farben und Goldtöne bei den Impressionisten – endlich mal Monet, Manet, Gauguin, Cézanne und Sisley nicht mit 200 anderen teilen müssen – herrschaftliche, steife und Aufmachung, teilweise gepaart mit der Antithetik des Barock, bei den alten Meistern von Dürer über Rembrandt bis Botticelli, ein Flair wie aus Tausendundeine Nacht bei der islamischen Kunst, Erinnerungen an Babylon im Teil für das Zweistromland und fernöstliche Tempel, abgedunkeltes Licht und dunkle sowie warme Farben im asiatischen Teil gekrönt von einem kleinen Zen-Garten. Leider braucht man mindestens einen Monat, um sich alles genau und mit dem Respekt beschauen zu können, den diese Kunstwerke verdienen. Wir verschafften uns eher einen Überblick über alles und genossen die Vielfalt der Kunst dieser Welt, die an nirgendwo in nur einem Museum so passend zusammengestellt werden kann wie in New York City.

 

Achtung, die Kunstoffensive:

 

Ein ausgestopfter Hirsch, auf dem Kristallglaskugeln montiert wurden  

 


 

 

Tausendundeine Nacht  

 

Monet - Das auf dem Bild ist übrigens der Hafen von Marseille mit Notre Dame de la Garde (wer mehr darüber wissen möchte und Monets Modell ansehen möchte, wie es wirklich ist, darf gern auf den entsprechenden Blogeintrag über Marseille bei den Einträgen über Frankreich klicken

 

Cézanne

 

Griechischer Sarg - und ein hübsches Mosaik

 

Ahnenpfähle aus Ozeanien

 

Gold aus Mittelamerika

 

Die Säulenhalle mit antiken Skulpturen - klassisch schön  

 

Im American Wing - ein wunderschönes Fenster  

 

Jugendstil im American Wing

 

Ein ägyptischer Tempel - da wollte ich für einen Moment (trotz Schlangen dort) wieder nach Ägypten, Pyramiden und Königsgräber ausgraben

 

Eine echte Mumie - abgefahren!! 

 

Hatschepsut - also da links, als Statue

 

Unser nächstes Ziel war dann Harlem und während wir die Martin Luther King Boulevard, besser bekannt als 125th Street entlangliefen und uns wie bunte Hunde fühlten, da wir gefühlt die einzigen weißen (und vor allem blonden) Menschen in diesem Teil der Stadt waren, konnten wir auch ein wenig das Flair dieses ehemaligen Ghettos genießen. Bunt zusammengewürfelte Läden und Imbisse, Straßenstände mit ihren in der Nachmittagshitze dösenden Besitzern, untereinander schnatternde oder um Kunden buhlende Menschen, das übliche New Yorker Verkehrschaos und die Backsteingebäude irgendwo zwischen Neu und Verfall mit diesen metallenen Außentreppen – das ist Harlem, New Yorks schwarzes Herz. An die geschäftige, bunte Hauptstraße schloss sich der Morningside Park und dahinter riesiger Wohnblocks aus Backstein an, bevor sich zwischen Riverside Park und Broadway, der übrigens von New York bis nach Kanada reicht, die berühmte Columbia University erstreckte.

 


 

Nach einer kurzen Pause im Park vor dem General Grant Memorial, in dem dann eine Gruppe von Jugendlichen verschiedene Linedances übte – vielleicht für ein Musical, aber umso länger sie tanzten, umso besser wurden sie, auch wenn sie kein Taktgefühl in der Wiener Walzer-Formation hatten – um unsere müden Beine und ein wenig geschundenen Füße auszuruhen, ging es auch schon weiter durch die berühmte Universität hindurch. Ähnlich wie das Trinity College stellt dieser Ort des Wissens einen Ruhepol in der sonst so lauten und schnellen Stadt dar.

 

 

Riverside Church

 

Nach einem Fotostopp strebten wir dann aber auch der St John the Divine-Kathedrale zu. Diese war aber ein wenig enttäuschend – von außen ein Meisterwerk der Neogotik, das es, von seinen wie abgesägt wirkenden Türmen mal abgesehen, mit Notre Dame und Co. Aufnehmen könnten, war es drinnen ziemlich enttäuschend. Die Bankreihen nahmen nur ein Drittel des riesigen Kirchenschiffs ein, dafür hingen riesige chinesische Drachengebilde von der Kirche. Auch der Altar war nach der tollen Außenfassade nicht mehr beeindruckend, und so gingen wir ein wenig enttäuscht weiter.

 

St John the Divine

 

Da nun aber auch der Hunger an uns nagte, strebten wir „Miss Mamies Spoonbread Too“ zu, einem kleinen Restaurant, das typische Gerichte der Südstaaten, sogenanntes Soulfood, auftischte. Norma Jean, die Gründerin, organisierte zu ihrer Zeit nach einer erfolgreichen Modelkarriere hier schon das Catering für Bing Crosby und Whitney Houston. Das Essen war günstig, mehr als reichlich und richtig lecker und wir dann auch glücklich über eine Spaziergang zurück zum Bahnhof, der uns ein wenig durch den Nordrand des in warmes Abendsonnenlicht getauchten Central Park führte – ein krönender Abschluss für ein wunderbares Wochenende.

 

Southern Fried Chicken, Mac'n'Chese and Rice&Peas - Soulfood vom Feinsten

 

Ich habe hier so viel gesehen und erlebt – dass man sich nicht von herumlaufenden Disneyfiguren, die einen in kindliche Hochgefühle versetzen und dann, mit einem selbst in der Mitte, für Fotos posieren, beeindrucken lassen soll, denn sie wollen 10 $ dafür, dass man genau aufpassen muss, in welchen Subwayeingang man geht, denn wenn man auf der falschen Seite steht, muss man, um auf die andere zu kommen, noch ein Ticket lösen (hier sind die Franzosen deutlich cleverer gewesen... oder kundenfreundlicher, wie man nimmt) und dass die meistabgebildete und als Skulptur verewigte Frau New Yorks das Model Audrey Munson, die „American Venus“, ist – und jetzt, nachdem ich nicht mehr ganz so geschafft bin, habe ich auf jeden Fall Lust auf mehr. Neben all den großen Städten dieser Welt, die ich bis jetzt besucht habe, hat mich keine mit ihrer Vielseitigkeit so beeindruckt wie New York City, das es nun zu den Top 3 meiner Lieblingsstädte geschafft hat – Dublin wird es, glaube ich, nicht schlagen, denn in die Hauptstadt der Grünen Insel habe ich mich verliebt, aber New York wird auf jeden Fall die aufregendste, verrückteste, anstrengendste, chaotischte, interessanteste und vielseitigste Stadt bleiben, die ich je besucht habe. Ich freu mich auf noch weitere Wochenenden hier!!

 


 

18.6.14 03:08

Letzte Einträge: 30.06. Wo Langeweile ein Fremdwort ist, 07.07.: Aller Guten Dinge sind Drei! , 15.07. Von schriftstellerischen Größen, berühmten Universitäten – und: von WELTMEISTERN, 22.07.: Von der Stadt, die auch am 4. Wochenende dort noch begeistern kann, 28.07. Von irischen Einwanderern, den Ursprüngen amerikanischer Unabhängikeit und tollen Unis

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen