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31.03.: Vom Résistance-Museum, Weinverkostungen und einer weiteren Reise ans Mittelmeer – Zwei Woche


Okay, tut mir leid – ich hab mich nun etwas länger nicht gemeldet. Das hat, ohne euch jetzt mit euch Ausreden überhäufen zu wollen, sogar einige Gründe (auch wenn einer meiner lieben Verwandten jetzt sicher nen flotten Spruch zum Thema Ausreden parat hätte :P ): Erstens ist am letzten Wochenende nicht besonders viel passiert – ich hatte einiges für die Uni zu tun und habe nicht viel unternommen. Dafür hatte ich aber einiges an den Abenden in der letzten Woche zu tun und habe tagsüber die Zeit für das Vorbereiten von Präsentationen (oder von meinem Auslandspraktikum ) genutzt oder sie mit meinem geliebten International Finance-Buch verbracht . Oder ich habe geschlafen, denn leider hat es mich ein wenig oft mit Kopfschmerzen erwischt – die wirklich nichts mit meiner Abendgestaltung in der Woche zu tun hatten (ich tippe auf irgendwas Richtung Migräne … ). Also, was ist passiert?


Reise zurück in die dunklen Zeiten europäischer Geschichte – Besuch im Museum der Résistance und Déportation


Am vorletzten Samstag habe ich erstmal ausgeschlafen – das muss auch von Zeit zu Zeit mal sein. Am frühen Nachmittag (nach gutem Frühstück und einem Replay der Heute-Show) habe ich mich auf den (zugegebenermaßen nahegelegenen) „Centre de la Résistance et de la Déportation“ gemacht -ich liebe die französische Sprache, da klingen selbst so ernste Themen irgendwie angenehm – und ein paar Stunden mit der Résistance, Jean Moulin, Judenverfolgung und Klaus Barbie (könnt ihr euch an den erinnern? Über den habe ich ausführlich in einem meiner ersten Blogeinträge berichtet – das ist der mit dem Video zum Barbie-Museum... der „Schlächter von Lyon“, über den man eigentlich keine Witze macht... ) verbracht. (Kurz zur Erläuterung: Das ist also das Zentrum der Résistance und der Deportation – ein Museum, das über den 2. Weltkrieg, aber vor allem auch über das Wirken der Résistance in Lyon und Südfrankreich sowie über die Deportation in Frankreich und deren Hintergründe berichtet.)

Das gute alte Lyon gehörte während des 2. Weltkriegs zu dem Teil Frankreichs, der von Vichy aus regiert wurde. Da es in diesem Teil etwas gemäßigter zuging als im anderen Teil des Landes (ich will das hier nicht weiter ausführen... Gechichtsbücher, Wikipedia, Google und Co. wissen da sowieso mehr als ich ) und weil Lyon schon immer herrlich katholisch war, wurden hierher erst einmal viele Flüchtlinge gebracht – hauptsächlich Juden, aber auch der eine oder andere Regimegegner tauchte hier unter. Der Krieg kam dann aber doch nach Lyon und die SS richtete sich hier im großen Stile ein – deren Hauptquartier war das gleiche Gebäude, in dem heute das Museum liegt und das vorher Sanitäterschule der französischen Armee war. Mit der SS kam auch die Verfolgung und das Einsperren von Juden und Regimegegnern, schließlich deren Deportation (die sogenannte „Endlösung“ wurde verhältnismäßig nur angeschnitten, aber für mich war das genug) und was danach kam, muss ich niemandem erzählen. Eine wichtige Rolle spielten in dieser Zeit auch die „Traboules“ in der Altstadt Vieux Lyon und vor allem im alten Seidenweberviertel Croix Rousse. Da die Häuser dort, wie in so vielen Altstädten, eng aneinander gebaut wurden, bilden die Durch- und Zugänge eine Art Labyrinth. Wer dieses Labyrinth kennt, kann durch es ganz schnell verschwinden und seinen Verfolgern entkommen – wie es viele Mitglieder der Résistance auch taten. Diese und ihre verschiedenen Mitglieder, die hier im Süden Frankreichs agierten, waren auch ein wichtiger Teil der Ausstellung. Das Hauptproblem dieser Gruppen (oder: das Problem, das Charles de Gaulle, der offizielle Mutzusprecher der Franzosen – das ist tatsächlich einer der Punkte, den manche an ihm kritisieren - der den Widerstand von London aus versuchte zu koordinieren, sah), war, dass es halt viele dieser Gruppen gab, die unterschiedliche Hintergründe hatten und verschieden arbeiteten. Damit sind vor allem die verschiedenen Aktionen gemeint, und der Fakt, das sie manchmal fast als Terroristen gesehen wurden – natürlich ärgert man die Besatzungsmacht, wenn man einen Teil einer Bahnstrecke sprengt, aber wenn dann Züge entgleisen, kann auch ganz schnell mal ein französischer Passagier betroffen sein, und da reden wir noch gar nicht davon, was die Besatzungsmacht dann für Maßnahmen ergreift, die auf die Besetzten und nicht immer unbedingt auf die Täter zurückfallen. Unter anderem schickte de Gaulle also Jean Moulin (genau, der Typ, nach dem meine Uni hier benannt ist) nach Frankreich, um die verschiedenen Résistance-Bewegungen zu einen – einen Teil des Fallschirms, mit dem Moulin in Südfrankreich gelandet ist (er war vorher in London), kann man im Museum bewundern. Der arme Teufel hat den Krieg aber nicht überlebt – er wurde verraten, gefangen genommen, gefoltert (hat aber nichts verraten) und ist in dem Zug, mit dem er nach Deutschland zu weiteren Verhören gebracht werden sollte, schließlich gestorben.

Der letzte Teil der Ausstellung war dann schließlich der Deportation und den Gefängnissen, in denen Gegner des Dritten Reichs genauso wie Juden festgehalten wurden, gewidmet. Saint-Joseph und Saint-Paul habe ich mir noch nicht angeschaut, und ob ich es machen will, weiß ich noch nicht. Das hat einen ganz einfachen Grund: Schon in der Ausstellung, beim Lesen der Texte und beim Schauen der Videos (die dieses Thema nur anschnitten) fühlte ich mich schon unwohl, um es mal vorsichtig zu formulieren (krasser gesagt: Ich war irgendwo zwischen „Mir ist schlecht“ und „Ich will mich heulend in eine Ecke verziehen&ldquo, und dieses Gefühl von Zeit zu Zeit zu haben, reicht vollkommen aus. Man mag das jetzt als eine Überreaktion bezeichnen, dass ich mich fast ein wenig schuldig fühle, auch wenn ich nie etwas damit auch nur im Entferntesten zu tun hatte, aber genau so geht es mir, wenn ich mich mehr mit dem ganzen Thema beschäftige. Die Grausamkeiten, die viele Leute aus meinem Volk begangen haben, gehen mir jedesmal nahe – egal, ob ich sie mir nun im Fernsehen in Dokus oder „Schindlers Liste“ ansehe oder im Museum – und auf eine besondere Art und Weise finde ich das auch gut. Denn einerseits bedeutet es, dass es mich nicht kalt lässt, und andererseits zeigt es auch, dass ich verstanden habe, dass Menschen so etwas anderen Menschen nicht antun sollten und dürfen, egal aus was für Beweggründen. Ich bin keine Pazifistin, zumindest nicht in diesem Sinne, aber das habe ich verstanden.


Endlich eine Weinverkostung und ein erster persönlicher Amerikanisierungsversuch


Nach diesem eher düsteren Teil kann ich nun aber zu schöneren Erlebnissen übergehen – versteht mich nicht falsch, es ist wichtig, sich mit sowas auseinanderzusetzen, aber man sollte sich auch nicht zu sehr damit selbst runterziehen: Ich habe es endlich zu einer Weinverkostung geschafft! (Zugegebenermaßen etwas makaber, von der Judenverfolgung zum Weintrinken in einem Atemzug überzugehen... aber mehr gibt’s dazwischen nicht zu berichten.) Gefühlt habe ich zwar mehr Käse und Brot an diesem Abend zu mir genommen als Wein, und so überzeugend war der Wein auch nicht (obwohl der letzte Rotwein nicht schlecht war... der hatte Charakter ), aber ich war mit einigen Freunden dort und wir hatten dementsprechend umso mehr Spaß, umso länger das ganze dauerte. Dazu kam das hübsche Ambiente – normalerweise bin ich Weinverkostungen in einer alten Scheune zwischen Holzstapeln und liebevoll dekorierten Tischen gewöhnt, hier ging es schon ein wenig in Richtung Weinkeller, und die ganzen Weinflaschen ringsum... *seufz*.

 

Wein, Brot und Käse - was braucht man mehr

 


 

Am Donnerstagabend habe ich dann mit ein paar weiteren Freunden einen ersten kulturellen Vorbereitungsversuch auf mein Auslandspraktikum unternommen: Wir haben „Captain America: The Winter Soldier“ geschaut – mit englischem Originalton, ein durchaus attraktivem Hauptdarsteller und französischen Untertiteln. Man darf nicht viel von Handlung erwarten, denn die war nichts, was nicht schon mal dagewesen wäre, aber es war unterhaltsam – typisch Marvel halt, viel Krach und Bums und Action und Kick-Ass-Darsteller, bis der Arzt kommt (wortwörtlich, die eine oder andere Figur ist diesmal im Krankenhaus gelandet).


Ein Tagesausflug ans Mittelmeer – Byzantinische Kirchen und ein Besuch beim „Grafen von Monte-Christo“


Für Samstag hatten wir dann etwas tolles geplant: Endlich mal wieder Hardcore-Sightseeing! Früh halb 5 klingelte der Wecker, da man schon halb 6 am Bahnhof sein sollte, und nach 23 Uhr waren wir wieder zurück, dafür war der Zug sehr günstig – 20 € hin und zurück. Und wohin ging es: Ans Mittelmeer in die drittgrößte Stadt Frankreichs (die von sich behauptet, die zweitgrößte zu sein und sich sowohl mit der eigentlichen Zweitgrößten, Lyon, als auch der Größten, Paris, nicht versteht), wo die französische Nationalhymne herkommt (Achtung, Wink mit einem grooooßen Zaunpfahl: die Marseillaise): nach Marseille!! Schon vorher wurde ich gewarnt: Erstens, dass Nizza viel schöner ist und dass ich enttäuscht sein werde, zweitens,dass ein Tag mehr als ausreichend ist, alles zu sehen, und drittens, dass ich verdammt aufpassen sollte, da die Stadt auch eine Kriminalitätshochburg ist. Das kann ich dementieren: Ich war nicht enttäuscht (obwohl Nizza wirklich schöner war, aber Marseille war mindestens genauso eindrucksvoll), wir waren vor 8 Uhr morgens da und wussten uns bis nach 21 Uhr zu beschäftigen, und tatsächlich habe ich noch all meine Habseligkeiten.

Schon der erste Eindruck von Marseille war herrlich: Wenn man aus dem Bahnhofsgebäude tritt, hatte man einen herrlichen Blick über die alte Hafenstadt im weichen Morgenlicht, über der die große Kirche „Notre Dame de la Garde“ thronte.

 

Der erste Eindruck von Marseille - jetzt wisst ihr, warum ich's so schön fand

 

Unser erster Stopp nach einem Cappuccino bei McCafé war einer der berühmten Seifenläden, wo ich einige Stücke – wie kann es in der Provence anders sein – Lavendelseife erstanden habe.

 

Der Seifenladen - lädt förmlich zum Geldausgeben ein

 

Nach unzähligen Duftproben und einem kurzen Stopp im Tourismusbüro (dort gibt es immer kostenlose Stadtpläne, die auch in Zeiten von Google Maps und Co. meine besten Freunde sind) begaben wir uns dorthin, wo es nicht ganz so angenehm roch: zum Fischmarkt, wo fangfrischer Fisch sowie Meeresfrüchte (und sogar kleine Oktopusse – nicht sonderlich appetitlich) teilweise direkt vom Boot aus verkauft wurde. Dieser Markt lag direkt am Kopfende des Vieux Port, des alten Hafens von Marseille – wie der Name vermuten lässt, gibt es auch einen neuen Hafen, wo die ganzen Kreuzfahrtschiffe und Transportschiffe zu finden sind. Der alte Hafen mit kleinen Segelyachten hatte aber viel mehr Charme und auch die umliegenden Gebäude zeigten einmal mehr, warum diese quirlige Stadt am Mittelmeer im letzten Jahr Kulturhauptstadt Europas war.

 

Hotel de Ville von Marseille am Vieux Port

 

Das Angebot auf dem Fischmarkt - seeehr appetitlich!  

 

Danach schlugen wir uns in das Gassengewirr der Altstadt, erklommen Treppen, erkundeten kleine Lädchen, bestaunten die alten Häuser, die zwar nicht ganz so hübsch und italienisch waren wie in Nizza, die zumindest teilweise aber abseits der ausgetretenen Touristenpfade lagen und so auch durchaus fotogen waren. Ein wenig störend war jedoch der viele Dreck in diesen Gässchen und Winkeln – so vielen Hundehaufen muss man selbst in Lyon nicht ausweichen. Was auch typisch waren: Die Konstruktionen zum Wäschetrocknen. Dafür wurden unter den großen Fenstern mit den typischen, bunt angemalten Fensterläden einfach ein paar Leinen gespannt und dort wurde alles von Hosen über Kleider und Oberhemden bis zur Unterwäsche getrocknet.

 

 

"Lächelt!"

 

Vorbei an der Vieille Charité, dem alten Armenhaus, in dem nun ein Kunstmuseum untergebracht ist, kamen wir zur Cathédrale de la Major, der riesigen Hauptkirche der Erzdiözese Marseille im byzantinischen Stil. So etwas erwartet man am französischen Mittelmeer nicht unbedingt, aber die Innenausstattung war ziemlich beeindruckend – dieser Baustil war zwar ungewöhnlich, aber doch wunderschön und hatte etwas fast Orientalisches.

 


 

Innenraum der Cathédrale

 

Die Cathédrale vom Meer aus - und ein Zirkuszelt  

 

Vieux Port und Basilique - während die anderen diskutierten, habe ich Fotos gemacht :D 

 

Nach einem schwierigen Entscheidungsprozess – Demokratie in ihrer schlimmsten Form voller Recherchen und Nochmal-Recherchen über die möglichen nächsten Ziele gewürzt mit Abstimmungen (wir waren zu fünft, eigentlich eine ideale Größe), bei denen mindestens drei der Votumsberechtigten mit einem „Ist mir egal, ich schließe mich der Mehrheit an“ antworteten – trennte sich die Gruppe: Vicky, Cindy und Olivia gingen Mittag essen, Dongho (aus Südkorea und auch nach diesem Tagesausflug für mich immer noch ein Buch mit sieben Siegeln – oder einfach mit einem komischen Sozialverhalten :D ) und ich ignorierten unsere knurrenden Mägen ein wenig länger und beeilten uns, zum Hafen und zu einer Fähre zu kommen, die uns auf die Insel If und zum daraufliegenden Chateau d'If bringen sollte.

 

Auf unserem Weg zum Chateau d'If konnten wir die Forts richtig anschauen

 

Im herrlichsten Sonnenschein, allerdings mit einem ordentlichen Wind, fuhren wir aus dem alten Hafen zwischen den zwei Forts – große, majestätische und vor allem wehrhafte Festungen, die die Hafeneinfahrt bewachten – hinaus in Richtung der Inseln im Meer vor Marseille. Nach genug Sonnenschein, sodass ich sogar ein wenig braun geworden bin, und – dank der Wellen und dem Wind – einer kurzen Salzwasserdusche kamen wir also auf If an. Das ist die berühmte Gefängnisinsel, die als Vorlage für das Gefängnis in Alexandre Dumas' „Grafen von Monte-Christo“ diente (wer eine der Verfilmungen gesehen hat: die wurden dort auch gedreht) diente – eine abweisend wirkende, aber genauso majestätische Festung vor Marseille. Dank meines Status als europäische Staatsbürgerin musste ich wieder keinen Eintritt bezahlen und so tauchten wir nach einer kurzen Besichtigung der Festungsanlage – der Wind war wirklich stark – tauchten wir ein in die Welt des „Grafen“. In diesem dunklen, engen, kalten und vor allem zugigen Gefängnis möchte ich nicht eingesessen haben – auch wenn es nicht so bedrückend wirkte wie zum Beispiel das Kilmainham Goal in Dublin. Die Aussicht vom Hauptturm war trotz des wirklich starken Windes (ich kann es nicht genug betonen, er hat das Mittelmeeridyll ein wenig kaputt gemacht) atemberaubend. Leider mussten wir dann schon die nächste Fähre zurück nehmen, denn aufgrund des Windes (again) schloss dieses Museum vorzeitig.

 

Kleiner Inselhafen nahe If

 

If und Marseille

 

Auf If kann es gefährlich werden - "Gefährliche Möwen - Paarungszeit" (ich fand dieses Schild so abstrus, dass ich es fotografieren musste!

 

Das Gefängnis 

 

Blick vom Turm aus auf den Rest der kleinen Insel und Marseille - hatte ich erwähnt, dass es verdammt windig war??

 

Nach einer ziemlich schaukligen Fahrt (Gott sei Dank werde ich nicht seekrank) kamen wir wieder in Marseille an und trafen uns dort mit den anderen Drei. Nach einem kurzen Mittagessen in einem chinesischen Restaurant – meine 4 asiatischen Begleiter hatten viel Spaß auf meine Kosten, da ich nicht so geschickt mit diesen dämlichen Stäbchen umgehen konnte – erkundeten wir die andere Seite des Vieux Ports (also gegenüberliegend von der Altstadtseite), wo vor allem die große Dichte an Irish Pubs auffallend war. Auf dem Weg zur Abbaye St Victor, einem burgähnlichen Kloster, machten wir halt in der „Four des Navettes“, der ältesten Bäckerei Marseilles aus dem 18. Jahrhundert. Diese fertigte auch nur die sogenannten Navettes, eher trockene Gebäckstangen, die aber dank des Orangenaromas total lecker sind (man sollte sie keinen Tag in einer Papiertüte lagern, dann werde sie steinhart – ich spreche aus Erfahrung ). Dieses Gebäck wird traditionell jedes Jahr an Lichtmess sogar vom Erzbischof gesegnet, ist also etwas ganz besonderes (und wie gesagt lecker)!

 

Abbaye St. Victor - wirklich wie eine Festung

 

... und das sind die Navettes  

 

Nachdem wir kurz dem Abendgottesdienst im Kloster beigewohnt hatten – dort leben sogar noch Mönche! - erklommen wir, vorbei an italienischen Feinkostläden den nahegelegenen Hügel, auf dem sich dann die Basilique Notre Dame de la Garde befand. Meine 4 asiatischen Begleiter musste ich auf dem Weg da hoch etwas motivieren („Nach der nächsten Kurve können wir die Kirche schon sehen“ ist umso effektiver als Mutmacher, wenn man sich, wie in meinem Fall, vorher mithilfe des Stadtplans darüber vergewissert hat, dass es auch wirklich stimmt und dann sagen kann „Siehste! Hab ich doch gesagt!“ ), aber die Mühe lohnte sich auf jeden Fall, denn auch diese Kirche war einzigartig. Leider war es nun eher bewölkt, sodass wir die Abenddämmerung mit diesem Ausblick nicht unbedingt genießen konnten, aber Marseille zu seinen Füßen hat man auch nicht jeden Tag. Nachdem wir das Panorama eine Weile genossen hatten, betraten wir die Basilika im (mal wieder...) byzantinischen Stil mit der 10 Tonnen schweren und 10 Meter hohen goldenen Maria mit Kind-Statue auf der Turmspitze. Ähnlich wie es in Lyon mit Saint Jean und Notre Dame de la Fourvière ist, so ist es auch in Marseille mit der Cathédrale de la Major und Notre Dame de la Garde: erstere ist Erzdiözesensitz und an sich noch schlichter gestaltet, zweitere ist viel reicher in ihrer Innenausstatttung, mit vielen Mosaiken verziert und Maria gewidmet. Der Pluspunkt: Während ich Notre Dame in Lyon schon ein wenig zu überladen und zu prächtig geschmückt fand, war es in Marseille noch tragbar. Trotzdem wurde man fast erschlagen mit der Vielfalt der Muster, Mosaike und dem vielen Gold an Wänden und Decke – aber auf eine angenehmere Art und Weise. Auf weniger angenehmere Art und Weise wurden wir und die anderen Besucher jedoch bald aus der Kirche herauskomplimentiert – halb 7 war Schluss und man durfte sich nicht mal mehr auf dem Kirchengelände aufhalten.

 

Notre Dame de la Garde

 

Blick von der Kirche aus auf Marseille

 

 

Innenraum der Kirche und Altar

 

Da wir noch Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges hatten, genehmigten wir uns eine dieser günstigen Menükombinationen für 15 € als Abendessen (der Auswahlprozess gestaltete sich ähnlich kompliziert wie zuvor, diesmal mussten wir uns jedoch nicht aufteilen ). Da ich davor gewarnt worden war, dass die Bouillabaisse, eine Spezialiät Marseilles, unter 40 € meist nicht besonders gut ist (und das, was ich bei Dongho sah, hat mich darin bestärkt), wählte ich als Vorspeise eine Soupe des Poissons (übersetzt Fischsuppe). Diese relativ dünne Suppe (mit in diesem Restaurant fast schon penetrantem Fischgeschmack) wird mit rouille, einer scharfen Knoblauchmayonnaise, und Reibekäse gegessen (die machen dann den Geschmack erträglicher – lieber Knoblauch- als Fischgeschmack ) - muss man einmal gemacht haben, aber bei dem einen Mal wird es vorerst bleiben. Als Hauptspeise gab es eine Paella (seeehr französisch ), , also gebratenen Reis mit Gemüse, Garnelen und Muscheln – die war sogar sehr lecker!

 


 

Der Nachtisch war dann wieder französischer: Tarte aux Pommes (Apfeltarte). Da unser Kellner von der Masse der Besucher etwas überfordert war (und ein wenig verstimmt, weil Dongho, der nicht abwarten konnte, einen anderen Kellner irgendwann dazu gerufen hatte... kein Kommentar dazu!), kamen wir jedoch erst spät los und mussten zu unserem Zug hetzen. So hieß es nach einem erlebnisreichen Tag auch schon wieder Abschied von Marseille und dem Mittelmeer nehmen, es hat sich aber wieder bewiesen, was ich schon so oft gesagt habe: Jede Stadt hat ihren ganz eigenen Charme und ist auf ihre Weise schön, man muss es bloß entdecken!


31.3.14 13:15

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