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30.06. Wo Langeweile ein Fremdwort ist


Auch wenn ich hier ein paar Breitengrade zu weit nördlich und in einem Land, das eher Base-, Basket- oder Football bevorzugt bin, kann ich es auch nicht mehr leugnen: König Fußball regiert im Moment die Welt!

Am letzten Donnerstag sollte ich eigentlich ein Meeting mit dem Manager und mit meinem PE-Betreuer haben – der Manager, selbst großer England-Fan, musste leider kurzfristig absagen, hat aber in der Notiz vermerkt, dass ich das Meeting trotzdem mit Bill machen und dann ganz schnell nach Hause fahren soll, um das Deutschland gegen die USA-Spiel (bzw Jogi gegen Klinsi :D ) anzuschauen. Das Meeting ging natürlich länger, sodass ich mich erst in der 2. Hälfte mit dem Spiel befassen konnte – und da mein Livestream nicht so wollte wie ich, musste ich (nach dem Tor) in die Kantine zu den USA-Fans umziehen. Diese sind aber vergleichsweise zu dem, was in Deutschland während so eines Spiels abgeht, sehr gemäßigt, muss ich sagen. Gott sei Dank enttäuschten mich „unsere“ Jungs nicht und auch ich konnte als Sieger vom Feld bzw aus der Kantine gehen – und die Ami-Fans waren auch zufrieden, denn auch der gute Jürgen hat seine Mannschaft in die nächste Runde geführt.

Ganz anders war mir heute. 120 Minuten Zittern um den Sieg sind weder gut für meinen Puls noch für meine Nerven. Diesmal habe ich mich mit dem funktionierenden Livestream in mein Büro verzogen, habe 2 Tassen beruhigenden Chai-Tee getrunken (naja, eher nich, wegen dem Schwarzen Tee ) und dann nach einer ewigen Zitterpartie voller leiser Flüche und neuer kreativer Schimpfnamen für alle möglichen Spieler auf dem Platz konnte ich auch über das Tor jubeln. Die nächsten 30 Minuten verbrachte ich u.a. damit, den „Deutschland schieß ein Tor“-Gesang in „Deutschland halte durch“ umzudichten und der guten Anna genau zu erzählen, was ich von den verschiedenen Abschnitten des Spiels hielt und mir zu wünschen, mal 5 Minuten mit denen allen am Telefon zu haben – 2 zum Runterputzen und dann 3 zum Wieder-Aufbauen... verdient hätten sie es!! (Außer vielleicht der Man of the Match, unser 11. Feldspieler – der Torwart )

So, jetzt aber zum eigentlich wichtigen Teil dieses Eintrags – für einen Fußball-Blog fehlt mir im Moment vielleicht nicht die Begeisterung, dafür aber das Fachwissen und vor allem die Zeit! Also kommen wir doch gleich zum Thema: Dem wirklich spannenden Teil der Woche: Dem Wochenende!!

Nachdem ich am Freitag die Residents, die 4 Wochen hier in Poughkeepsie waren, um ein Redbook zu schreiben, verabschieden musste und abends einem meiner Hobbys fröhnte – dem Backen - ging es Samstagmorgen in aller Frühe endlich wieder in die Stadt, die niemals schläft. Diesmal machten wir Sightseeing der etwas anderen Art – sportlich, wie Anna und ich nun mal sind, erkundeten wir auf Schusters Rappen New Yorks grüne Lunge, den Central Park!

 

Das berühmte Plaza Hotel - wie in "Kevin allein in New York"  

 

Die Dimensionen dieses Parks sind wirklich atemberaubend: Egal, was man vorher über ihn gehört hat, man erwartet einfach nicht, dass es in dieser Stadt voller Wolkenkratzer, Lärm und Leute eine so große Grünfläche gibt, dass man kaum noch etwas von der Stadt selbst hört, mit einem riesigen See in der Mitte und eigenem Zoo. Dort lässt es sich echt aushalten, und außerdem sind die Aussichten auf die das Grün umgebende Skyline ziemlich beeindruckend.

 

Central Park Zoo - "Madagascar" lässt grüßen

 

Nachdem wir uns mit Kaffee (und Muffins, in Annas Fall – die Muffins vom Abend vorher waren für sie ) am Zoo gestärkt und ich festgestellt hatte, dass der Zoo selbst in „Madagascar“ viel größer aussieht als hier, starteten wir unsere kleine Wanderung. Vorbei an einem Schauspieler, der ein Andersen-Märchen an der Andersen-Statue vortrug und an der Alice im Wunderland-Statue, folgten wir den geschwungenen Wegen und wichen den Fitnesswütigen unter New Yorks Joggern aus, denen auch die Sommerhitze nichts anhaben konnte. Schließlich, nach einigem Auf und An in der leicht hügligen Parklandschaft, erreichten wir das große Wasserreservoir in der Mitte – ein wunderschöner See, von dessen Rand aus man wunderbar die Skyline um den Park herum bewundern konnte. Wie in der Woche vorher das Capitol war auch das ein Anblick, den man stundenlang genießen kann und trotzdem nicht müde wird, ihn zu bewundern: die stille, blaue Wasseroberfläche, die nur von Zeit zu Zeit von Enten, Fischen oder Schildkröten (!!) durchbrochen wurde, darüber das satte Grün der Parkbäume und dann die sich majestätisch darüber erhebenden riesigen Wohngebäude (in denen man die Appartmentpreise sicher nicht bezahlen kann ) mit herrlichen Dachterrassen.

 

 


 

Zumindest an mir nagte dann aber ein bisschen der Hunger – Gott sei Dank hatten wir uns zu einem Picknick von CIEE angemeldet. Das ist die Organisation, die sich in den USA um die Formalia für unsere Visa sowie um unsere Versicherungen gekümmert hat.

Das Essen war super, und nachher konnte man in der Sonne (oder im Halbschatten ) dösen, Leute von überall her treffen und sich mit ihnen austauschen sowie sich bei Sport und Spiel verausgaben – das IBM Intern BBQ in Yorktown Heights war nicht so spannend (oder lecker) wie dieses Picknick hier (und auch wenn in Yorktown die Watson-Forschung stattfindet, ist NYC definitiv die coolere Location ).

 

Anna, sehr dynamisch nach dem Essen  

 

Nachdem wir unsere Bäuche gut (und vor allem kostenlos ) gefüllt hatten, machten wir uns auf den Weg, das alles wieder abzulaufen und nebenbei die andere Hälfte des Central Parks zu erkunden. Und so entdeckten wir den Shakespeare Garden, in dem ein großes Freilufttheater liegt – dort wird oftmals Shakespeare aufgeführt. Dann ging es weiter zu Belvedere Castle – einer putzigen Mischung aus fernöstlichen und europäischen Schlossbaustilen. Auf dem chinesisch anmutenden Vorplatz gab es sogar passende Musik, was sehr atmosphärisch wirkte. Dann bestiegen wir den kleinen Schlossturm und genossen das Panorama von der Aussichtsplattform: zu unseren Füßen das kräftige, lebendige Grün, umrahmt von den unberührbaren, starren Fassaden der vielen Hochhäuser – absolut beeindruckend!

 

Ein Antrag auf der Bow Bridge ...

 

Eine Wasserschildkröte!!

 

Nachdem wir das Schlösschen, das Wetteraufzeichnungen und -beobachtungen dient (sowie natürlich dem Tourismus), spazierten wir zur „Mall“ - den Namen kennt man nicht, aber auf dem Bild erkennt man die Kulisse für unzählige Filme wieder. Dort entlangzulaufen war wieder einer dieser „Ich habs so oft im Fernsehen gesehen und jetzt bin ich hier“-Momente, von denen ich mittlerweile nicht genug bekommen kann!

 

The Mall - wie im Film!

 

Anders, als ich es jedoch von der Natur zu Hause beispielsweise gewöhnt bin, ist es im Central Park jedoch nicht ruhig und entspannend, sondern auch er sprüht nur so vor Leben, sei es wegen der vielen New Yorker, die im Schatten der großen Bäume oder in der Sonne, zwecks Bräunung, die heißen Tage verbringen und für genug Abwechslung sorgen, sei es wegen der vielen Sportler, denen sich hier der ideale Ort fürs Fitnessprogramm bietet, wegen der vielen Tiere – Eichhörnchen, Enten, Schildkröten sowie die Zootiere – oder einfach nur wegen dieser Lebendigkeit, die jedem Bisschen New York City anhängt – auch der Central Park ist dadurch ein Stück New York, und so befremdlich, wie das Grün gegenüber des berühmten Plaza Hotels anfangs wirkt, ist er doch ein Teil dieser Stadt und fügt sich auch gerade wegen seiner Gegensätzlichkeit perfekt in diese Stadt ein, in der einem alles passieren kann, außer, dass es langweilig wird.

 

Trump Building

 

Für den Abend hatten wir etwas Besonderes geplant, und auch wenn ich die Nachwirkungen immer noch spüre (eine Nacht mit 3 Stunden Schlaf und zwei Tage New York-Entdecken zollen auch montags noch ihren Tribut), war es das auf jeden Fall wert. Unser letztes Ziel für diesen Abend war das Barclays Center in Brooklyn. Nachdem wir meine Tasche ausleeren und in eine Tüte packen sowie ihren Inhalt auf uns aufteilen mussten, da dort nur eine gewisse Größe erlaubt ist, und durch mehrere Sicherheitskontrollen gegangen waren, waren wir endlich drin und vor allem dankbar, dass wir vorher so viel getrunken hatten – die Getränkepreise waren mehr als hoch. Wie es die deutsche Pünktlichkeit gebietet, waren wir zu diesem Konzert natürlich, trotz fester Sitzplätze – unsere erschöpften Beine und schmerzenden Füße dankten es uns! - ein wenig früher da und mussten so mehr als anderthalb Stunden auf den eigentlich Beginn warten. So konnten wir aber beobachten, wie sich die riesige Halle Stück für Stück füllte, und konnten die Vor-DJ's genau begutachten.

 

Es füllt sich... 

 

Schließlich war alles voller Menschen und der Mann des Abends – kein Geringerer als Avicii, der wohl beste DJ der Welt – erschien auf der Bühne. Danach erlebten wir, wie elektronische Musik die Massen begeistern kann (auch uns!) sowie eine grandiose Bühnenshow mit tollen Effekten und wunderbaren Bildern! Schon alleine diese waren das Geld für die Eintrittskarten wert, und das Gefühl, auf so einer Riesenparty zu sein und sich von der Begeisterung mitreißen zu lassen, war es noch viel mehr!

Ich war dieser Art von Musik gegenüber immer etwas skeptisch – die „richtige“ Musik, bei der Leute Instrumente spielen, anstatt am Mischpult zu stehen und nur das zu präsentieren, was andere Leute fabriziert haben, erschien mir immer nicht wie wirkliche Musik in dem Sinne. Das tut sie immer noch nicht, aber jetzt weiß ich, wie gut sie trotzdem sein kann und dass auch diese Art von Musik mir als passionierter Klavierspielerin durchaus gefallen kann!

 

 

 


 

 

Nach einem Sprint zur U-Bahn und komischen Leuten in der Subway kamen wir schließlich ziemlich erschöpft an der Grand Central Station an, und mit einer Flasche Wasser versorgt fuhr ich zurück nach Poughkeepsie.

Auch wenn ich am nächsten Morgen nach einer viel zu kurzen Nacht jeden Knochen und Muskel einzeln spürte, quälte ich mich aus dem Bett, frühstückte und skypte mit meinen „Verwandten“. Danach ging es auch schon wieder nach NYC – es stand das Greenwich Village auf dem Programm.

Den Anfang machten wir aber mit der Lady's Mile, einer hübschen Strecke mit vielen teuren, aber schönen Lädchen, und vor allem mit dem Madison und Union Square sowie dem berühmten Flat Iron Building. Danach spazierten wir zum Washington Square, wo das Washington Arch eine Art Mini-Arc de Triomphe in NYC darstellt – dem Pariser Original kann es natürlich nicht das Wasser reichen.

 

Das Flat Iron Building

 

Ein bisschen Dalì

 


 

 

 

Schachspieler im Park 

 

Art Déco in NYC

 

Von dort aus erkundeten wir die hübchen ruhigen Sträßchen des Greenwich Village, die mit ihren kleinen (New Yorker Standard ) Backsteinreihenhäuschen und dem vielen Grün sehr englisch und auch sehr teuer wirkten. Immer mal wieder konnte man auch den plötzlich sehr nahen Freedom Tower sehen – der steht aber erst beim nächsten New York-Wochenende auf dem Programm.

 

 

 


Wie irisch :D

In Greenwich Village befindet sich u.a. auch ein früheres Wohnhaus von Edgar Allan Poe und der Pionier des amerikanischen Schauerromans passt irgendwie auch in dieses fast englische Umfeld, das sich einem gewissen New Yorker Touch, zumindest an den Hauptstraßen, nicht erwehren kann. Auch das schmalste Haus der Stadt, das nur 2,40 m breit ist, konnte man besichtigen und sich nebenbei in eines dieser Häuschen mit den hübschen Eingängen hineinträumen.

 

Poe's Wohnhaus

 

Im Greenwich Village liegen sowohl die Christopher Street sowie die Gay Street, also ist es auch einer der Ausgangspunkte der Schwulen-und-Lesben-Bewegung. Das wurde uns an diesem Sonntag ziemlich schnell bewusst, da etliche Straßen abgesperrt waren und eine riesige Gaypride-Parade durch die Straßen zog. Durchkommen war zwischen den vielen Leuten vom anderen Ufer in den putzigsten (manchmal nicht vorhandenen) Verkleidungen und den anderen Feiernden manchmal sehr schwierig. So mussten wir uns also immer mal wieder durch die vollgestopften Straßen zwängen und legten zwischendurch eine kleine Shoppingpause in einem der hübscheren Geschäfte New Yorks ein – es möge sich bitte jeder selbst die Bedeutung der Abkürzung VS erschließen und sich seinen Teil dazu denken.

 


 

Auch sowas ist "Street Art"

 

Davor mussten wir jedoch unsere Energiereserven auffüllen, und wo geht das besser nach einem Tag im englischsten Viertel New Yorks als in einem English Tearoom, dem „Tea and Sympathy“? Nach dem, was ich von Irland gewohnt bin, stimmte das Preisleistungsverhältnis weder beim Tee noch bei den Scones, aber die Holundersirupschorle und das Sandwich waren total lecker. Das Ambiente dieses winzigen Teamrooms war typisch englisch – blumig, eng, voller knuffiger Sachen an den Wänden und natürlich gab es klassische Musik (dummerweise immer die gleiche ). Das Sandwich vom Kate-und-William-Teller machte den Eindruck perfekt und ich hatte trotz meiner Begeisterung für diese Stadt, in der all diese Kuriositäten nicht kurios sind und in der sich selbst nach vorbeirauschen Ravern keiner umdreht, plötzlich wieder Lust auf England und Irland.

 

Man bemerke den Teller

 

Diesmal liegt eine vergleichweise kurze Woche vor mir – Freitag ist Independence Day und leider werde ich zum Viertelfinalsknaller Deutschland gegen Frankreich im Zug sitzen. Aber ich freue mich ganz besonders auf dieses lange Wochenende mit dem ganz besonderen Stückchen Heimat – genaueres gibt’s dann in der nächsten Woche!!


P.S.: Woran merkt man, dass man 2 Monate nicht mehr zu Hause und auch per Telefon nicht mehr erreichbar war? - Es wird zunehmend schwieriger, mit einigen Leuten Kontakt zu halten. Man sollte ja meinen, dass in unserer heutigen, globalisierten und vernetzten Gesellschaft sowas kein Problem mehr ist – eine What's App-Nachricht schreibt sich in einer Minute und für Briefe muss man auch weder zur Post rennen noch Briefmarken bezahlen, man schickt sie einfach als eMail. Also gelten Ausreden wie „Ich hatte keine Zeit“ oder „Ich hab zur Zeit so viel um die Ohren“ im Nachhinein auch nicht mehr wirklich – ich wünsche mir in Zukunft also entweder die Wahrheit oder zumindest kreativere Ausreden (der „Mein Computer funktioniert nicht“-Standard ist auch langweilig, um das vorweg zu nehmen – heutzutage hat jeder Smartphones, ich habe auch What's App, ihr habt meine Nummer und außerdem kann ich sehen, wann ihr das letzte Mal online wart! ...) … vielleicht sollte ich einen Wettbewerb ausrufen: für Wahrheitssager gibt’s nach meiner Rückkehr Cookies und derjenige mit der besten Ausrede bekommt eine volle Ladung Cupcakes!! Und für alle die, die sich gar nicht melden: Keine Antwort ist auch eine Antwort, dankeschön!

1.7.14 19:22, kommentieren

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23.06.: Im Herzen der Neuen Welt


In meinem letzten Eintrag habe ich geschrieben, dass jede Stadt ihr eigenes Flair hat, und dass man sich, wenn man sich Mühe gibt, in jeder Stadt anders fühlt. Ohne große Vorrede – das hat sich auch am letzten Wochenende wieder bestätigt!

Nach einer ziemlich abwechslungsreichen Fahrt – ich finde, das ist ein gutes Wort dafür – die unter anderem einen kurzen Trip nach Manhattan zur Rush Hour, nur um einen U-Turn zu machen, sowie eine nur laut Navi vorhandene Tankstelle bei so gut wie leerem Tank und einen Zwischenstopp in der Gegenrichtung einer Auffahrt in der Nähe von Baltimore, von der man nicht so schnell runterkam – zu unserer Verteidigung: als sich das Navi wieder gefunden hatte, sind wir auch in die richtige Richtung gefahren, aus Platzgründen nur halt rückwärts - enthielt, kamen wir auch schließlich in unserer etwas abgelebten, bescheidenen, dafür preisgünstigen Unterkungt, dem Hilltop Hostel, an. Nachdem wir die verschiedenen anderen Schlafgäste – zwei Kanadier auf Fahrradrundreise und ein Typ aus Pittsburgh, der seinen Liebeskummer in irgendeinem Stout ertränkte – kennengelernt und uns an den komischen Geruch im Raum gewöhnt hatten, versanken wir auch dankbar ins Reich der Träume. Nach einem leckeren Frühstück waren wir dann auch bereit, die nächste amerikanische Großstadt zu erkunden – und da wir keine halben Sachen machen, war es auch gleich die wohl wichtigste Stadt: Washington D.C.!!

Im Gegensatz zum chaotischen, lauten, vor Energie überschäumenden und kreativen New York City zeigte sich Washington D.C. eher ein wenig gemäßigter, ruhiger, aber mindestens genauso interessant, aber halt entspannter und herrschaftlicher – wie es sich für die Hauptstadt einer Großmacht gehört.. Aufgrund des leicht unbeständigen Wetters fuhren wir zuerst zu dem Touristenmagneten schlechthin: Der National Mall. Flankiert von verschiedenen Museen, die zur Smithsonian Institution gehören, die in einem neoromanischen Backsteinschloss untergebracht ist, strebten wir dem Zentrum der Demokratie zu: Dem Capitol. Weiß und majestätisch erhob sich die Kuppel, die kein Gebäude in Washington überragen darf, an einem Ende der National Mall und wir strebten ihr trotz Regenschauer entgegen.

 

Smithsonian Institution

 

Leider hatten wir keine Eintrittskarten mehr bekommen, also konnten wir dieses wunderschöne, in seiner Symmetrie ebenmäßige Gebäude nur von außen betrachten und natürlich fotografieren (und uns fotografieren lassen – mit zwei blonden Mädels auf nem Foto zu sein, war wohl das Highlight des Tages für einen Asiaten ). Es war wieder einer dieser „Ich hab es so oft im Fernsehen und auf Bildern gesehen und jetzt stehe ich plötzlich davor“ - Momente, die einen verzaubern, und allen, die mir gesagt haben, dass diese Stadt wunderschön und auf jeden Fall einen Besuch wert ist, kann ich nun sagen: Ihr habt Recht!! Es ist eine wunderschöne Stadt! Sie ist sogar einen zweiten Besuch wert, auch wenn es nur dafür ist, wieder am Teich vor dem Capitol zu sitzen und dieses herrliche Gebäude anzuschauen!

 

 


 

Nächste Station war das berühmte Air & Space Museum – jeder, der „Nachts im Museum II“ gesehen hat, kennt es sicher. Dort wurden die Meilensteine des Traums vom Fliegen gezeigt, vom ersten Flugzeug der Gebrüder Wright mit dem ersten Flugzeug überhaupt über Charles Lindbergh's und Amelia Erhard's Flugzeugen, mit denen die beiden den Atlantik überquerten – der eine als erster Mensch, die andere als erste Frau in einem Flugzeug – und verschiedenen Kampfjets und Passagierflugzeugen sowie Raketen wie der V2 (wer in Geschichte ein bisschen aufgepasst hat oder schon mal das Museum im früheren Heeresforschungszentrum in Peenemünde besucht hat, weiß, wovon ich spreche ) bis zur Raumfahrt, die mit verschiedenen Raumkapsel vertreten war. Normalerweise bin ich kein so großer Fan von der Geschichte des Transportwesens – Kunstgalerien oder „normale“ Geschichte finde ich dann doch spannender – aber die Exponate und der Weg, der durch sie bereitet wurde – mal ehrlich, wenn es keine Flugzeuge gäbe, wäre ich sicher nicht hier – waren den Abstecher auf jeden Fall wert!

 

Das erste Flugzeug der Wright-Brüder

 

Mondlandung

 

... und Raketen... 

 

Als nächstes suchten und fanden wir das Edgar J. Hoover Building, das frühere und erste Hauptquartier des FBI, sowie das Old Post Office, ein majestätisches Gebäude, das eher etwas von einem Schloss als von einer Post hatte. Die Schlange vor den National Archives, wo unter anderem die Unabhängigkeitserklärung ausgestellt wird, war leider ein wenig zu lang, und so mussten wir auf diesen wichtigen Meilenstein amerikanischer Geschichte leider verzichten.

 


 

Das große Grillfest, das dann die Pennsylvania Avenue versperrte und das Old Post Office in nicht besonders nach Gegrilltem riechende Rauchfahnen hüllte, mussten wir dank Eintrittspreisen von 15$ umgehen – so viel zu zahlen, nur um dann dort wieder Geld zu zahlen, erschien uns dann doch nicht unbedingt sinnvoll. Also marschierten wir los Richtung Weißes Haus.

Da ich von so vielen Leuten bereits vorgewarnt wurde, dass es viel kleiner ist, als man denkt, und dass man enttäuscht ist, wenn man dann dort ist, habe ich nicht viel erwartet und war dann doch von seiner Größe überrascht – ich hatte es mir kleiner vorgestellt. Natürlich ist es nicht annähernd so beeindruckend wie das Capitol, aber die fotografierfreudigen Menschenmassen sowie die „No new war in Iraq“-rufenden Demonstranten machten es irgendwie wert, dort zu sein!

 


 

Zuerst bekamen wir jedoch nur die Rückansicht des Gebäudes zu sehen, wir fanden dann aber auch den Weg zur Vorderseite für ein paar weitere Fotos. Zum Weißen Haus gibt es übrigens einen schönen großen Garten – es muss doch eine Tortur sein, so eine schöne Grünanlage, in der man noch nicht mal selbst Rasenmähen muss, zu haben, aber sie nicht genießen zu können, ohne dass eine riesige Meute Touristen ständig Fotos schießt! Das macht dann auch die tolle Aussicht auf das Washington Monument nicht besser!

 


 

Nachdem wir Amerikas politisches Zentrum genau betrachtet hatten, begaben wir uns per Metro zum militärischen Mittelpunkt der Riesennation – dem Pentagon. Das Gebäude selbst ist, wie zu erwarten, nicht besonders spektakulär, und nach der gehörigen Portion Patriotismus und Nationalstolz, die wir in den letzten Stunden erlebt hatten, war es fast ein bisschen langweilig und die „No Photos“-Schilder empfand schon fast als Störung. Daneben konnte man noch das Pentagon Memorial zu Ehren der Opfer der Anschläge des 11. September, an dem eines der Flugzeuge ja auch in das fünfeckige militärische Herz der Vereinigten Staten stürzte, besichtigen und auch ein paar vom Gebäude selbst machen.

 


 

Danach beeilten wir uns, zum Goethe-Institut zu bekommen, denn wenn die ganzen Amerikaner patriotisch sein dürfen, dann dürfen wir das auch – also auf zum Spiel Deutschland gegen Ghana. Nach spannenden 90 Minuten (große Fußballturniere sind nichts für meine Nerven … wenn ich mich über etwas anderthalb Stunden am Stück und notfalls länger aufregen kann, dann über eines dieser Spiele ) und einer - trotz verhältnismäßig kleiner Runde – super Stimmung waren wir über das Unentschieden dann doch ziemlich erleichtert. Sollte Deutschland am Donnerstag jedoch verlieren, kann ich mich dann für den Rest des Tages nicht mehr auf Arbeit sehen lassen – wenn das mal kein Ansporn für die „Rasenkomiker“, wie sie meine liebe Mami immer nennt, ist. Dort trafen wir auch Mareike, Christian, Linda und Saskia, und die arme Anna war plötzlich allein unter IBAlern .

 

PUBLIC VIEWING - Götze schießt ein Tor

 

Danach besuchten wir das verhältnismäßig kleine Chinatown von Washington D.C., das witzigerweise sogar ein Vapiano enthielt (ich weiß, seeeehr chinesisch...), und genehmigten uns ein chinesisches Essen.

 

Das Spekulärste an Chinatown

 

Nachdem sich unsere Beine und Füße also ein wenig erholt hatten, muteten wir ihnen die nächste Wegstrecke zu und fuhren nach Georgetown, um das In-Viertel schlechthin zu erkunden. Entlang der Hauptstraße erstreckten sich hübsche englisch aussehende Häuschen, wie sie auf den Britischen Inseln nicht anders stehen könnten, allerdings waren sie, dem Standard des Viertels entsprechend, voller teurer und angesagter Läden. Da bleibt leider kein Portmonee lange geschlossen und auch wir konnten dem Ruf der Shoppingtempel nicht lange widerstehen. Nachdem die Frauen in uns auch so richtig auf ihre Kosten gekommen waren – jetzt habe ich auch genug Vorurteile bedient - verabschiedeten wir uns von diesem Little England im Herzen der Vereinigten Staaten und machten uns auf den Weg zu unserem letzten Highlight des Tages.

 

 

 Feeling so very british in Georgetown

 

Ich wollte noch unbedingt die National Mall bei Nacht bestaunen, und wenn das Capitol bei Tag schon beeindruckend war, war es das nachts noch viel mehr. Ich könnte stundenlang an dem Teich davor sitzen, der Musik eines nahen (und vermutlich ziemlich teuren) Rooftopclubs lauschen und den Anblick des sich strahlend – Mr Edison sei Dank - aus dem Dunkel erhebenden Gebäude genießen. Nur wurde es irgendwann kalt und wir wurden müde – aber allein für diesen Anblick lohnen sich alle Strapazen, die man auf sich nimmt, um es zu erleben!

 


 

Nach einer weiteren Nacht im Hilltop Hostel – diesmal mit weniger interessanten Leuten - versprach das Wetter am nächsten Morgen besser zu werden. Voller neuem Elan machten wir uns auf den Weg zur Arlington Cemetery. Dieser oft in Film und Fernsehen gezeigte Friedhof mit den endlosen Reihen von weißen Grabsteinen, schien an diesem Montag ein besonderer Publikumsliebling zu sein, sodass das typische Friedhofsfeeling, wie man es selbst auf dem berühmten Friedhof von Montmartre in Paris erleben konnte, kam also nicht richtig auf. Wir besichtigten die Kennedy-Gräber, wo Robert, J.F. und seine Frau Jacqueline beerdingt sind und spazierten dann über die Memorial Bridge Richtung der Memorials – der Denkmäler, die ebenfalls einen wichtigen Teil der National Mall bildeten.

 

 


 

Als erstes war das wohl berühmteste an der Reihe – das Lincoln Memorial. Hier konnte man die herrliche Aussicht, die sich dem steinernen Abbild des Gewinners des Bürgerkriegs bietet, betrachten – es ist wirklich herrlich, die Wasserflächen und dann das Washington Monument – und sich dann an den Punkt stellen, von dem aus Martin Luther King seine berühmte „I have a dream“-Rede hielt.

 


 

 

 


 

Nachdem man den Atem der Geschichte eingeatmet und gewissermaßen genossen hat, kann man sich nach links wenden und der Reihe nach das Vietnam Veterans Memorial, die Constitution Gardens mit dem Denkmal, in dem die Signaturen aller Unterzeichner der Declaration of Independence abgebildet sind, und schließlich das World War II-Memorial besichtigen. Dieses ist sehr majestätisch und erinnert an beide Fronten, an denen die USA kämpften – Atlantik und Pazifik.

 

 

... und das Vietnam Veterans Memorial... 

 

Danach liefen wir zum Martin Luther Kind Jr.-Memorial, schauten uns ein wenig fußlahm das Jefferson Memorial von weiten an und liefen weiter zum Holocaust Memorial Museum, wo wir uns eine Ausstellung über das (Über)Leben jüdischer Kinder ansahen. Danach brauchten wir dringend eine Stärkungspause, bevor wir uns der letzten Station unseres Washington-Wochenendes widmeten: dem Museum of American History. Dort erfuhr man die Geschichte der Nationalhymne und konnte das Original-“star spangled banner“, das damals, über Fort McHenry in Baltimore nach der Schlacht gegen die Engländer wehend, Francis Scott Key zu jenem Text inspirierte, besehen. Außerdem erlebten wir wieder ein paar der wunderbar konzipierten Ausstellungen – in der Beziehung haben es die Amis richtig drauf!! - zum Thema Transportwesen (vor allem Eisenbahnen), einflussreiche First Ladies und ihre Garderoben (teilweise wunderschöne Kleider), Meilensteine amerikanischer Geschichte und zur Entwicklung der Essenskultur der Fast Food-Nation.

 

Was wäre Amerika ohne die Eisenbahn? 

 

Michelle Obama hat einfach Geschmack - wunderschönes Kleid! 

 

Danach hieß es auch schon Abschied nehmen von dieser herrlichen, entspannten und doch herrschaftlichen, aber auf jeden Fall sehr sympathischen Hauptstadt der Weltmacht USA. Auf der alternativen Rückfahrt – mit möglichst wenig Maut – konnten wir u.a. die Skyline Philadelphias und später die von Manhattan bestaunen und irgendwann nach 23 Uhr war ich dann auch zu Hause, wo ich nach einer ausgiebigen Dusche erschöpft, aber voller wunderbarer Erinnerungen schließlich erschöpft in mein Bett fiel.

 

Das Hostel... 

 

Wieder ist es wunderbares Wochenende vergangen, wieder habe ich viel erlebt, und auch wenn ich mich auf eine kurze Ruhepause im August freue, habe ich trotz fast 6 Monaten Sightseeing immer noch Lust auf mehr!

Ansonsten ist nicht viel Spektakuläres passiert – viele liebe Leute halten mir immer noch über Skype die Treue, wofür ich sehr, sehr dankbar bin. Es ist immer wieder schön, euch zu sehen und von euch zu hören, und besonders, wenn man, insofern man sich denn nicht in Unkosten stürzen möchte, nicht einfach das Telefon nehmen und anrufen kann, misst man diesen Gesprächen einen ganz besonderen Wert zu. Außerdem trennt uns jetzt ja auch seit schon bald 2 Monaten ein ganzer Ozean – deshalb noch einmal ein ganz großes Dankeschön an alle, die bis hierhin der Zeitverschiebung getrotzt haben und die Zeit gefunden haben, mit mir zu reden, zu lachen und das Neuste zu besprechen! Das bedeutet mir sehr viel!

Was vielleicht ansatzweise spektakulär ist – und wo für jeden, der von Skype & Co. abhängig ist, eine halbe Welt zusammenbricht – meine Vermieterin, oder wer auch immer dafür verantwortlich ist, hat die Gebühren für den Internetanbieter nicht gezahlt und seitdem funktioniert das nicht mehr. Da da aber auch das Fernsehen dran hängt, wird jetzt sicher jemand die Initiative ergreifen, denn ohne den großen viereckigen Kasten kann hier keiner leben – die schlafen bei laut laufendem Fernseher!! (Und ich kann mittlerweile auch durch die spannenden Basketballspiele schlafen – man weiß ja nicht, wofür man das später mal braucht :D ). Hoffentlich wird das schnell wieder in Ordnung gebracht, denn wie gesagt: Ich kann nicht SKYPEN!!

 

Das schönste Foto des Wochenendes - Capitol bei Nacht


24.6.14 19:41, kommentieren