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15.07. Von schriftstellerischen Größen, berühmten Universitäten – und: von WELTMEISTERN


Da ich in den letzten Blogeinträgen ja schon ausführlich genug amerikanische Autofahrer und die Fußball-WM kommentiert habe, will ich es diesmal auch tun.

Den Autofahrern, wie ich nach einem weiteren Ausflug nur bestätigen kann, hat irgendjemand die Blinker abmontiert und diese mit 10 Hupen und einem weiteren Gaspedal ersetzt – grässlich manchmal, hier zu fahren. Frag mich, wie viele Verkehrsunfälle es hier ständig gibt... .

Und ein kurzer Einschub: Wieder hat das Internet hier nicht funktioniert, aus was für Gründen auch immer. Jetzt geht’s wieder, aber meine ganzen „Wir sind Weltmeister“-Nachrichten sind nicht angekommen. Und da meine Mitbewohnerin noch etwas erledigen musste, ist sie wieder auf Arbeit gegangen und hat mich gestern nach 23 Uhr angerufen, ob ich sie abholen könnte – Glück hat das Mädel, ich war nämlich grad auf dem Weg in die Dusche. 10 Sekunden später hätte ich es nicht mehr mitbekommen.

Heute hat außerdem jemand meinen Honig so gut wie leer gemacht – ziemlich dreist, da er noch fast voll war. :/ Ein Grund, sich auf geordnete deutsche Verhältnisse zu freuen. :D

Sooo – WELTMEISTER!! - Seit 2002 schaue ich die Weltmeisterschaften, und endlich hat einmal das richtige Team gewonnen!! EEENDLICH!! Ein bisschen habe ich es am Sonntag schon bedauert, dass ich nicht in Deutschland war – zum ersten Mal, seit ich hier bin. Aber die gute Laune und die Freude darüber halten immer noch an... wir Deutschen sind wohl ein richtiges Fußball-Volk!!

Sonntag habe ich das Finale natürlich beim New Yorker Public Viewing am East River geschaut. Das ganze war eine fast ausschließlich deutsche Veranstaltung, da auch vom German Bierhaus „Zum Schneider“ organisiert – mit deutschem Bier, deutschem Personal und deutschen Partysongs – und natürlich vielen, vielen Deutschlandfans. (Vor uns standen jedoch ein paar Argentinien-Anhänger – hätte das falsche Team gewonnen, hätte ich über ein bisschen Nachhelfen beim Bad im East River ein wenig mehr nachgedacht :D ). Die Stimmung wollte zwecks Torlosigkeit nicht so richtig aufkommen, alle fieberten jedoch mit, fluchten über vergebene Chancen und zitterten, dass doch nicht die Falschen den Ball ins Netz befördern. Dann das Tor der Argentinier – Herzstillstand und Entsetzen, bis der Linienrichter mit der gehobenen Fahne zum Abseits eingeblendet wurde. Ab da wurde wie über ein eigenes Tor gejubelt. Dann prallte der Ball am argentinischen Pfosten ab, was kurz wie ein Tor aussah – diesmal war das Jubeln umsonst. Zweite Halbzeit, Verlängerung – Mitleiden mit einem blutenden Schweinsteiger und Hoffen auf ein Wundertor, damit es ja nicht zum Elfmeterschießen kommt. Zugegeben, der zweitbestaussehendste Mann auf dem Spielfeld ist ein Hammerkeeper, aber sein Kontrahent ein Elfmeterkiller... . Dann schoss der bestaussehendste Mann auf dem Platz das erlösende Tor – ausgelassener Jubel und genug Glücksgefühl, um das Zittern davor zu vergessen. Dann wieder Anspannung bis zum Abpfiff – die Erlösung kam endlich und der 4. Stern war da – ein Augenblick, wie ich ihn nie wieder vergessen werde. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein so einfaches Spiel – 22 Männer, die nem Ball hinterherrennen und ihn versuchen, in nen Kasten mit Netz zu befördern – so begeistern könnte. Und das tut es immer noch!! Seit 2006 versuche ich mir vorzustellen, wie es ist, wenn das eigene Team Weltmeister wird – und es ist wunderbar!! Danke, Jungs, für dieses einmalige Erlebnis! Ihr habt es verdient!

 

Wir standen unter der Irlandfahne - war wohl ein bischen "Luck of the Irish" mit im Spiel

 

Und da ist die richtige Fahne - Public Viewing am East River 

 

So sehen Weltmeister(fans) aus

 

Empire State Building getting all German

 

Nach einer kurzen Ode an DAS Spiel des Jahres – der nächsten 4 Jahre – und die Erfüllung eines weiteren Traums, kommen wir doch wieder zurück zum Wesentlichen . Natürlich habe ich an diesem Wochenende nicht einfach rumgehockt und Däumchen gedreht. Eigentlich wollte ich ja nach Gettysburgh fahren. Aber da Deutschland seit Dienstag im Finale stand – überragend die Gastgeber platt gemacht, sodass ich bei einem der neuen Kollegen aus Brasilien das Thema Fußball lieber nicht angesprochen habe - habe ich mir dieses Vorhaben aus dem Kopf geschlagen. Da ich hier die einzige Geschichtsbegeisterte zu sein scheine und die 230 Meilen je Strecke nicht zweimal am Tag fahren wollte, habe ich umgeplant.

Freitagabend ging es aber erstmal in die spannendste Stadt der Welt, genauer zum Central Park mit Anna und Tobi. Dort gaben die New York Philharmonics ein kostenloses Konzert auf der Großen Wiese, und da gefühlte Hunderttausend außer uns die gleiche Idee hatten, war es auch eher ein Massenereignis und für meinen Geschmack habe ich nicht genug von der Musik mitbekommen. Aber es hat gereicht – ein wunderbares Ensemble, und wunderbare Stücke: zweimal Richard Strauss (Don Juan und dann Till Eulenspiegel), Smetana mit Vysehrad aus dem Mein Vaterland-Zyklus und schließlich Tschaikovsky's Romeo und Julia. Ein wunderschöner Abend!

 

 

Im Central Park

 

Das Rockefeller Center bei Nacht

 

Am nächsten Morgen holte ich dann mein Auto hab, kutschierte Victoria kurzfristig durch die Gegend, weil sie unbedingt Geld bei der weit entfernten Bank of America abheben und auf das Konto bei einer anderen überweisen musste – da sie aber meine letzte Tankfüllung bezahlt hat, fühlte ich mich dazu irgendwie verpflichtet. Mit Verspätung ging es dann erstmal nach New Haven, Teil eins meiner Connecticut-Tour.

New Haven haben die wenigsten sicher schon gehört, aber Yale University kennt jeder – dort liegt nämlich diese altehrwürdige Universität der Ivy League. Wenn man mal von dem einen oder anderen, weiß angestrichenen und amerikanisch anmutenden Glockentürmchen absieht, wirkt der Old Campus wie ein altes englisches Schloss, das zur Universität umfunktioniert wurde, vielleicht noch mit viktorianischem Touch, was die Fenster betrifft. Ansonsten: englischer Rasen ringherum, verwinkelte Ecken, gusseiserne Tore, Erker, alte Fenster, Efeu an den Außenwänden – wäre es nicht strahlender Sonnenschein gewesen, hätte man denken können, man wäre in Good Old England. Und die blöden Klimaanlagenkästen, die überall in die Fenster eingelassen wurden, haben gestört. Trotzdem war es herrlich dort, und wäre meine Parkzeit nicht durch ein Fehlen an Münzen geschränkt gewesen, wäre ich auch noch länger geblieben.

 

 

So viel Backstein - sehr englisch/irisch/ostküsten-amerikanisch

 

Ein Studentenclub - wie's aussieht, können die sich auch einen eigenen Gärtner leisten

 

Auch das ist Yale, obwohl das nicht zum restlichen Gebäudeensemble passt...

 

Ein passender Spruch am Eingang 

 

 


 

 

Nächster Stopp war das frühere Zentrum der Reichen, die Verleger-Hauptstadt sowie Hauptstadt des Bundesstaats Connecticut: Hartford. Nachdem mein Navi mich wieder kurzzeitig im Stich gelassen hatte, konnte ich zumindest aus dem Auto heraus das hübsche Zuckerbäckerstil-Capitol dieses Bundesstaates bewundern. Schließlich fand ich ein wenig abseits vom Zentrum, zur Zeit der Erbauung in hübschem Farmland gelegen, die Häuser von Harriett Beecher Stowe und Samuel L. Clemens, besser bekannt als Mark Twain.

Zwei der berühmtesten Schriftsteller Amerikas waren doch tatsächlich Nachbarn, und so schloss sich gewissermaßen auch der Kreis. Gettysburgh, wo ich eigentlich hinwollte, war Schauplatz einer großen Schlacht im Amerikanischen Bürgerkrieg, die den Wendepunkt und endlich Siege für die Nordstaaten brachte. Hier, in Hartford, wohnten zwei Menschen, die auf ihre Weise die Sklaverei bekämpft haben – Twain mit „Huckleberry Finn“ und Beecher Stowe, die von Lincoln als die „kleine Frau, die den Bürgerkrieg startete“ bezeichnet wurde, mit „Onkel Toms Hütte“.

Clemens, oder Twain, selbst aus einfachen Verhältnissen, hatte gut geheiratet und konnte sich dank einer guten Heirat ein großes Haus in Hartford leisten, obwohl er immer mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte – wirtschaftlich hatte er einfach kein Gespür. Von außen sieht das Haus wieder sehr englisch aus – Backstein, Türmchen, Erker. Innen wirkt es sehr herrschaftlich, teilweise ein wenig zu vornehm, um hundertrpozentig gemütlich zu wirken, aber auf jeden Fall beeindruckend. Auf der Führung erfuhr ich viel Wissenwertes zu dem Mann, der mich besonders mit „Tom Sawyer“ beeindruckte, als ich noch ein paar Jährchen weniger auf dem Buckel hatte. Von seinen 3 Kindern überlebte ihn nur eines, und dieses blieb kinderlos. Twain war auch ein Arbeitstier, das teilweise 40.000 Worte und mehr an einem Tag zu Papier brachte – zwar verspielte, vertrank und verspekulierte er sehr viel Geld (der Mann hatte sogar einen Billardtisch in seinem Arbeitszimmer und eine Fensterscheibe aus durchsichtigem Marmor), er schaffte es aber immer wieder, mit Vortragsweltreisen, die restlos ausverkauft waren, und Auftragsarbeiten, wirtschaftlich erneut auf die Beine zu kommen.

Die Führerin selbst war sehr souverän, die Ausstellungsstücke wunderschön und die Ausstellungen zu Twain selbst im Museumsgebäude nebenan sehr hübsch aufbereitet und gut recherchiert.

 


 

Beecher Stowes Haus strahlte mehr Gemütlichkeit aus. Die Frau hatte immerhin sieben Kinder, von denen nur noch die Zwillinge, die nie heirateten, mit bei ihr und ihrem Mann im Haus wohnten. Wie die Autorin selbst, die außer „Onkel Toms Hütte“ fast nur feministische Literatur zu Papier brachte, waren sie große Verfechterinnen der Frauenbewegung und Emanzipation – was wahrscheinlich auch einer der Gründe für das Nicht-Verheiratetsein war. Dieses Häuschen, das trotzdem einen relativ gehobenen Eindruck vermittelte, aber trotzdem urgemütlich (und auch viktorianisch – u.a. wurde das Bild von Beecher Stowe's bester Freundin, die die erste große Liebe und Frau ihres Mannes war und wegen deren Tod sich die beiden kennenlernten, im Wohnzimmer über den Kamin gehängt) wirkte, wurde von Zeit zu Zeit auch von Twain besucht. Jedoch muss auch gesagt werden, dass diese Gemütlichkeit und Privatheit vor allem daher rührt, dass es der Alterswohnsitz der Dame und ihres Gatten war. Außerdem verbrachte die ganze Beecher Stowe-Familie jeden Winter im warmen Florida. Da dies einer der Südstaaten war, waren sie wohl dort nicht immer gern gesehen – was sie aber nicht von ihrem Vorhaben abhielt.

 

 


 

Nachdem ich genug für meine Bildung getan hatte – Musik, und nun Museen über die Produzenten meines Lieblingsmediums, dem Buch – fuhr ich auch wieder zurück durch das oftmals wirklich idyllische Connecticut.

Zurück in Poughkeepsie, machte ich mich nochmal an die Arbeit – für Jess, meine 2. Mitbewohnerin, die am schicksalshaften 13. Juli, den die deutsche Fußballfangemeinde noch lange in Erinnerung haben wird (die dritte WM in Folge, in der Argentinien an uns scheiter...), Geburtstag hat, buk ich Apfel-Zimt-Schnecken. Ob sie sich drüber gefreut hat, weiß ich nicht – ein Danke oder so habe ich immer noch nicht bekommen. Dass die Schüssel am nächsten Tag fast leer war, scheint aber genug des Lobes zu sein. (Was ich allerdings immer noch nicht verstehe: Ich lasse immer für alle etwas von meinem Gebackenen stehen, aber trotzdem wird sich immer noch fröhlich an meinen Lebensmitteln bedient – mein Frischkäse, mein Müsli, mein Honig... ich glaube, diesmal muss ich echt etwas sagen. Andererseits wohne ich nur noch 2,5 Wochen hier – was solls. )

17.7.14 03:44, kommentieren

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07.07.: Aller Guten Dinge sind Drei!



Die Tage im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind für mich nun gezählt – in weniger als einem Monat befinde ich mich wieder (wenn denn alles gut geht...) auf deutschem Boden. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Aber dieser letzte Monat hier, der soll sich wenigstens lohnen! Dank Projektarbeit und meinem regulären Arbeitsaufwand habe ich im Moment eher längere Arbeitszeiten – und auch wenn ich mich über den Einzug ins Halbfinale nicht beschweren will, frisst Fußball auch ganz schön viel Zeit. Spätestens Sonntag ist der Zauber jedoch auch wieder vorbei.

Bevor ich jedoch mit dem eigentlichen Eintrag anfange, möchte ich eine Vorbemerkung zu amerikanischen Autos und vor allem ihren Fahrern machen. Bitte nicht falsch verstehen, ich liebe meinen Ferdi über alles, er ist mir ein treuer Begleiter und jedes Mal, wenn ich vom Zug oder von der Arbeit komme, leuchtet er mir freundlich entgegen – wir beide sind bis jetzt ein Supergespann! Aber Ferdi ist ein Ami, und amerikanische Autos haben ein grauenhaftes Beschleunigungsverhalten. Egal ob Pick-up oder Chevy Spark, egal ob Dodge oder Impala, alle brauchen sie ewig, bis sie wirklich in Bewegung kommen – da lob ich mir VW, Audi, Mercedes und Co. !! Aber davon abgesehen zeigen die Fahrer der Autos hier sehr ausdrücklich, warum die USA nach Hofstede die maskulinste Gesellschaft der Welt sind: Der Erfolg des Einzelnen steht im Vordergrund – was in der Autofahrerpraxis heißt: Selber ja überall reindrängeln, aber andere die Spur nicht wechseln lassen. Auch noch das größte Geschwindigkeitsbegrenzungsschild missachten, aber auf der Überholspur durch die Gegend schleichen. Wie eine gesengte Sau fahren, andere schneiden, dicht auffahren, Lichthupe usw., aber wehe, jemand kommt ihnen zu nahe oder muss kurz vor der Ampel die Spur wechseln – den hupen wir an und/oder werfen ihm obszöne Gesten zu. Die Unfallraten hier will ich nicht sehen... auf deutsche Straßen freue ich mich wieder! (Und es mag gemeckert werden über den schlechten Zustand unserer Straßen – Leute, ihr seid noch nie in New York State Schlaglöchern ausgewichen!!)

Auch wettertechnisch gab es in den letzten Tagen einiges zu erleben. Den Anfang machte am Mittwoch das heftigste Gewitter, das ich je erlebt habe (hier kommen väterliche Gene durch!!) - Blitze im Sekundentakt, sintflutartiger Regen und nachtschwarzer Himmel. Sofort gab es Gewitterwarnungen und Flutwarnungen – die Amis sind da ja nicht zimperlich und schreiben in der Warnung gleich mit, dass man ein Notfall-Kit haben sollte und dass Blitzschlag der häufigste Todesursache in Verbindung mit Naturereignissen ist. Donnerstag stießen dann über Poughkeepsie zwei Gewitter zusammen – innerhalb von 2 Minuten gingen wir von kein Regen zu „so viel Regen, dass es die Scheibenwischer nicht mehr schaffen“ über. Die Wolken sahen echt toll aus – irgendwie weltuntergangsmäßig. Da dann auch gleich die Ampel auf der sechsspurigen Hauptstraße nur noch teilweise funktionierten, nahm ich den Umweg über das IBM-Gelände, wo mich „nur“ Aquaplaning erwartete – es war also sehr spannend.

 

 

Diese Bilder sind noch nicht mal bearbeitet  

 

Freitag zog dann Hurricane Arthur an der Küste vorbei – ich war jedoch auf dem Weg ins Landesinnere, wo das Wetter bedeutend angenehmer war.

So, jetzt aber zum eigentlichen Thema: Wo war ich wohl zum dritten Mal, damit der Titel passt? - New York City passt nicht, da war ich schon öfter. Buffalo ist die richtige Antwort!! Anlässlich des amerikanischen Nationalfeiertags, dem 4. Juli, fuhr ich am Freitagmorgen mit dem natürlich viel zu späten Amtrak los, um Anneke, Alex, Sonja und Sienna zu besuchen und den Unabhängigkeitstag stilecht in Familie zu verbringen. Den Anfang machte das Feiertags-BBQ zusammen mit Alex' Eltern – es gab Hot Dogs, Burger (selbst gegrillt natürlich), Nudelsalat, Couscoussalat und einen wunderbaren Kuchen – Kompliment an die Bäckerin!! So satt war ich schon lange nicht mehr – um genau zu sein, seit ich das letzte Mal dort war... Besuch in Buffalo ist vielleicht schlecht für die Figur (Alex nennt Anneke immer the next Christiana, da die Gute auch immer so kocht, als würden alle innerhalb der nächsten 2 Stunden verhungern ), aber gut für alles andere, denn im Ausland auch Familie zu haben lässt einen gar nicht erst an Heimweh denken. Mit einem Besuch bei den Vieren von Zeit zu Zeit könnte ich es hier drüben auch länger aushalten – außerdem ist ihr Gästebett viel bequemer als mein Bett hier. Uuund Sienna ist da – mit der Zeit vermisst man es sehr, einfach einen Hund zu haben, der sich einfach freut, wenn er gestreichelt wird. Am liebsten hätte ich die Gute mitgenommen.

Nach dem Dinner fuhren wir nach Niagara Falls und von dort brachen dann Anneke, ihre Schwiegermutti Gale und ich auf zu den Fällen, um das 4th of July-Feuerwerk zu bestaunen, und zwar vom Dach eines Parkhauses aus. Zuerst schauten wir das über den Fällen an und dann eins über Hyde Park, das über eine halbe Stunde andauerte – das war fast besser als Silvester und einfach magisch! Wunderschönes Feuerwerk, da mit Weiß-Rot-Blau endete – da kann man sich fast patriotisch fühlen, obwohl man kein Amerikaner ist! Die Aussicht an sich war auch beeindruckend – da typisch für hier rings um eine Attraktion ein wahres Vergnügungsparadies gebaut wird: Hotels, Casinos, alle möglichen Freizeitaktivitäten, die dann natürlich herrlich durch die Nacht leuchten. Sowas ist viel schöner, als es die Fotos je hergeben könnten, und es ist definitiv eines dieser Erlebnisse, die meine Zeit in den USA einzigartig machen!

 


 

Danach standen wir allerdings vor einem Problem – wie wir wollten sowohl alle Leute im Parkhaus als auch die von den umliegenden Parkmöglichkeiten nach Hause – Stau vorprogrammiert. Als sich nach eine Stunde noch nichts bemerkte, machte sich besonders Anneke große Sorgen, da wir Sonja bei den Männern gelassen hatten und sie bald Hunger haben würde. Schließlich kam Alex bis zum Parkhaus, auf dessen Dach wir immer noch mit dem Auto festsaßen, und während Gale das Auto nach unbestimmter Wartezeit nach Hause fahren wollte, liefen Anneke und ich zu Alex und der Gott sei Dank tief schlafenden Sonja. Alex hatte mit dem Satz: „I'm here with the baby, and my wife's on top of the garage, and the baby will be hungry soon“ (oder so ähnlich) einen Parkplatz ergattert und so fuhren wir dann schließlich wieder nach Hause. Für die arme Gale wurde es dann auch ein kürzerer Abend als gedacht – also trotz allem noch ein Happy End!

Am nächsten Morgen schliefen wir ein bisschen aus und um meine Real-America-Experience perfekt zu machen, fuhren in ein richtiges Diner zum amerikanischen Frühstück (das kein anderes auf dieser Welt, was die Kalorien betrifft, toppen kann!): Rührei, Bacon und Pancakes. Das Frühstück ist meine Hauptmahlzeit am Tag, aber das war genug für 2 Tage . Davon abgesehen war es aber auch richtig lecker, und außerdem darf man sich ja von Zeit zu Zeit auch mal was gönnen.

 


 

Danach ging es, eeeendlich, nach KANADA!!

 


 

Oh Canadaaaa

 

Da ich diesmal alle nötigen Dokumente bei mir hatte, konnten wir doch tatsächlich zum rot-weißen Ahornblatt-Nachbarn fahren! Als Kirsche auf dem Sahnehäubchen gab es sogar einen entsprechenden Stempel in den Reisepass – ich war glücklich. Da an diesem Tag bei angenehmen Temperaturen auch eine super Sicht war, konnten wir von unserer Seite am Lake Ontario auch Toronto auf der anderen sehen – atemberaubend. Fast ein wenig ungewohnt war es, dass hier plötzlich wieder Meter und Grad Celsius genutzt wurden – da fühlt man sich doch gleich fast zu Hause. Viel Zivilisation gab es ringsherum nicht, dafür aber eine Menge Weingüter – also wenn ich die Wahl hätte... . Und so verkosteten Anneke und ich einige Weine – die Weißweine konnten es zwar mit denen vom Schuckert nicht aufnehmen, und auch die Rotweine kann man nicht so sehr mit den französischen vergleichen, aber auf dem Chateau des Charmes, einem Weingut von französischen Einwanderern, verkosteten wir einen exzellenten Cuvée, der seine 40$ pro Flasche hier durchaus wert ist – wenn ich denn so viel Geld für Wein ausgeben würde und wenn ich so viel Gewicht noch im Koffer frei hätte (das wird auch ohne eine Flasche Wein knapp...). Dank der Witterungsverhältnisse ist das dort oben jedoch eine wunderbare Eisweingegend – der war mir aber auch zu teuer und zu schwer.

 

Weinreben, Lake Ontario und Toronto - was will man mehr? 

 

Chateau des Charmes - ein französisches Weingut mit französischem Charme, und natürlich gutem Wein!

 

Nach einem kurzen Exkurs zu den Gaumenfreuden fuhren wir zum Clifton Hill und konnten, nachdem wir uns durch die Massen in den Straßen rings um die verschiedensten Freizeitaktivitäten (mein Favorit war Dracula's Haunted Castle, das die ganze Zeit die Psycho-Titelmusik spielte - FAIL!!) geschlagen hatten, konnte ich die Niagarafälle nun endlich aus der dritten möglichen Perspektive betrachten – aus der schönsten (wenn auch nicht aufregendsten ). Ich glaube, ich kann mich an diesen Wasserfällen nie satt sehen und würde am liebsten gleich nochmal hinfahren – selten hat mich etwas so beeindruckt, aber das habe ich in diesen letzten 2 Monaten schon öfters geschrieben. Vielleicht liegt das auch nur an mir, aber mich kann an diesem Land hier (bzw an den 2 Ländern) einfach so viel beeindrucken.

So konnte ich also sowohl die American Falls in voller Größe und die Horseshoe Falls zusammen mit dem Hexenkessel von ihrer schönsten Seite betrachten – komplett mit Regenbogen und strahlendem Sonnenschein. Was will man mehr?

 

 

Touristenort Nr 1 - genau so, wie man sichs vorstellt

 


Horseshoe Falls und der Hexenkessel

 

Fast schon kitschig - American Falls mit Regenbogen

 

Und nochmal alle beide  

 

Und weils so schön ist - nochmal die Wasserfälle und ich, like a Diva :D 

 

Ein wenig müde (liegt siiiicher nicht an der Weinverkostung ) fuhren wir wieder zurück nach Buffalo – vor allem Sonja hatte nun keine Lust mehr aufs Autofahren und Sienna war auch überglücklich über ein bisschen Gesellschaft!

Auch wenn wir immer noch satt waren, tischte Anneke die Reste vom Vortag auf und schließlich war der Appetit größer als das Sättigungsgefühl und so schlugen wir uns trotzdem den Bauch voll. Nach einer Verdauungspause und nachdem Alex (nach Vorlesen auf Deutsch – Respekt!!) Sonja gebettet hatte, wurde mir eine weitere amerikanische Spezialität kredenzt: S'mores! Das sind Graham Crackers mit über dem Grill fast flüssig gemachten Marshmallows und Schokolade – einfach himmlisch! (Über Kalorien reden wir von jetzt an nicht mehr, Punkt!) Damit nicht genug, gab es noch Kuchen und Eis... wie gesagt, wir reden nicht mehr über die K. .

Am nächsten Morgen hatten wir ein Skypedate mit der Family – Oma, Mami, Papi und Leo freuten sich, auch die Verwandten auf der anderen Atlantikseite und vor allem die goldige Sonja zu sehen! Nachher trafen wir 2 Freunde von Anneke und Alex, die sich gerade verlobt hatten, zum Brunch. Für mich gab es diesmal ein Omelett mit Paprika und Kräutern sowie Obst – also ein wenig gesünder, aber satt hat es trotzdem gemacht.

Danach luden wir Anneke beim zweitbesten Freund der Frau, dem Friseur, ab und Alex zeigte mir und der schlafenden Sonja den Campus der University of Buffalo – der ist riesig und richtig schick. In den Studentenwohnheimen dort würde ich wirklich gern wohnen!! Und auch die Sportanlagen sind, typisch amerikanische Uni, auch nicht von der Hand zu weisen! (Daneben kann sich die DHBW nicht sehen lassen... was Studiengebühren so alles anrichten können. ) Danach besichtigten wir noch kurz den Erie-Canal, der früher vom Lake Erie bis nach Albany verlief, wo er in den Hudson mündete und somit die Großen Seen mit New York City und dem Atlantik dort verband. (Da ich ein Zugticket hatte, musste ich auch kein Ruderboot kapern – ok, schlechter Scherz. )

Dann holten wir die frisch frisierte Anneke wieder ab, holten schnell ein (wirklich leckeres) Sub bei Wegmann's und dann musste ich auch schon wieder Abschied nehmen: Erst von Sienna und dann von Sonja, Anneke und Alex.

Es war ein wirklich schönes Wochenende und die beiden wissen bereits, dass sie in Großpostwitz sowie dort, wo auch immer ich wohnen werde, immer herzlich willkommen sind!

Es ist ein wahrer Luxus, Familie im Ausland zu haben – zumindest von diesem Standpunkt habe ich nichts dagegen, wenn sie sich weiter in alle Himmelsrichtungen verteilen. Es ist auch wahnsinnig schön, Freunde überall zu haben, aber Familie ist da noch etwas anderes – das ist schwer zu beschreiben, aber es gibt einem ein ganz besonders Gefühl, willkommen zu sein und macht es leicht, sich zu Hause zu fühlen. Home away from home, sozusagen. Deshalb: Gerne wieder! (Wann auch immer das ist... )

10.7.14 02:45, kommentieren