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28.07. Von irischen Einwanderern, den Ursprüngen amerikanischer Unabhängikeit und tollen Unis

Und da war es schneller passiert, als ich dachte – meine letzte Woche ist angebrochen! Ich kann es, wie schon in vorherigen Einträgen bemerkt, noch immer nicht fassen, wie schnell die Zeit vergangen ist... anfangs denkt man, 3 Monate sind sooo lang, und dann sind sie fast rum. Aber ich habe auch viel erlebt, und das letzte Kapitel meines USA-Praxiseinsatzes ist auch noch nicht geschrieben. Dieses hier ist es noch nicht, keine Angst. Zum Auftakt schleifte ich Victoria am Freitagabend in das Poughkeepsier deutsche Restaurant, das putzigerweise „Schatzi's“ heißt – dort gab es amerikanisiertes deutsche Essen – also auch Burger etc. . Ein alkoholfreies Bier uns eine Bratwurst mit Sauerkraut später entschieden wir uns für einen Frozen Yoghurt als Nachtisch und fuhren dann glücklich und zufrieden wieder nach Hause. Am Samstagmorgen wagten wir, also Anna und ich, uns wie schon vor anderthalb Monaten (viel zu) früh morgens wieder nach Massachusetts. Diesmal wollten wir jedoch nicht ins Urlauberparadies, obwohl Cape Cod echt wunderschön war und der Strand dort in meiner Erinnerung erstmal seinesgleichen sucht. Diesmal ging es in die Stadt, die für vieles berühmt ist: Harvard (was eigentlich in Cambridge liegt, also dem amerikanischen Cambridge – die ollen Nachmacher ), irische und italienische Einwanderer (unschwer zu erkennen an den Caffès und Irish Pubs) und für viele Ereignisse des Unabhängigkeitskriegs – Boston. Der Vorteil an einem frühen Start sind vor allem die freien Straßen – so kamen wir relativ schnell an und parkten unser Auto in Cambridge auf einem der Wohnheimsparkplätze. Diese sind um einiges günstiger, insbesondere am Wochenende, als die in der Stadt, auch wenn man vielleicht ein bisschen mehr Zeit braucht, um mit der T ins Stadtzentrum zu fahren. Dort angekommen, brachten wir nach kurzen Orientierungsproblemen unser Gepäck ins Hostel und dann machten wir uns auf den Weg zum Boston Common, dem ältesten Park der USA. Dieser hatte als Versammlungsplatz und Hinrichtungsort begonnen, heute kann man unter anderem das State Capitol mit seiner Goldenen Kuppel dort bewundern.

 


 

Weswegen wir aber hauptsächlich dort waren: An einem kleinen Visitor Center beginnt der Freedom Trail, der durch Boston führt und einen an die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Verbindung mit dem Unabhängigkeitskrieg führt.

 

 

 

Leider war dieser Laden geschlossen...

 

Vorbei an hübschen Plätzen wie der King's Chapel und der ersten Public School der USA (sowie einem kurzen Boxenstopp in einem FroYo-Laden... wenn ich eins vermissen werde hier, wird es einer dieser Läden in jedem Ort sein ) kamen wir zum Old South Meeting House.

 

Ben Fanklin vor der Old City Hall

 

Dort wurde während der Unabhängigkeitsbewegung ordentlich protestiert und diskutiert. Diese kleine Backsteinkirche mit dem strahlend weißen Turm wirkt zwischen den im Gegensatz dazu relativ tristen Hochhäusern, die sie um Einiges überragen, schon fast winzig, aber irgendwie auch wie etwas Besonderes. Wenn die weiße Spitze im Sonnenlicht aufleuchtet, weiß man automatisch, dass dies ein besonderer Ort ist. Denn nicht nur fanden hier Versammlungen statt, auf dem Vorplatz ereignete sich auch das Boston Massacre, in dem 5 Protestanten, unter ihnen auch der erste Afroamerikaner, der für einen „patriotischen Zweck“ auf amerikanischem Boden starb, von den Briten erschossen wurde.

 


 

Nächste Station war der große Marktkomplex um die Faneuil Hall. Auch dort kann man die erste Versammlungshalle der Amerikaner besuchen, von der aus man aber ins Old South Meeting House umzog, weil der erste Raum zu klein war.

 


 


 

Da uns der Magen dank eines sehr zeitigen Frühstücks ziemlich in den Kniekehlen hing, stürzten wir uns anschließend in das Gedrängel in der Markthalle und ergatterten einen Salat und ein Clam Chowder. Dieses esse ich auch manchmal auf Arbeit, aber das dort sucht noch seinesgleichen. Frisch gestärkt spazierten wir weiter auf dem Freedom Trail, wie ungefähr 1000 andere Touristen. Vorbei an den Irish Pubs und dem Union Oyster House, der ältesten Kneipe der USA kamen wir sozusagen in der Bostoner Little Italy. Dort gönnten wir uns trotz voller Mägen eines dieser Cannoli, ein herrliches Gebäck von Mike's Pastry – falls mal jemand in die Verlegenheit kommt. Egal, wie satt man ist, das muss man probiert haben!

 

 

Im Bostoner "Little Italy"  

 

Nun vollständig gesättigt gingen wir am ältesten Haus Bostons, dem Haus von Paul Revere, vorbei – einem grauen, schief wirkenden Holzhaus.

 


 

Das Museum sparten wir uns auch hier und ich spendete einer Frau, die auf ihrem historischen Glasinstrument netterweise Heines „Lorelei“ spielte, einen Dollar. Warum habe ich Paul Revere erwähnt? Wer im Geschichts- oder Englischunterricht (da wurde das damals in meiner Schulzeit – das klingt jetzt aber alt... - behandelt) richtig aufgepasst hat, kann sich vielleicht an ihn erinnert. Der Silberschmied warnte damals mit seinem Mitternachtsritt von Boston nach Lexington die Kolonialarmee vor den Bewegungen der britischen Truppen, was schließlich in der Schlacht bei Lexington und Concord endete. Henry Wadworth Longfellow hat diesen Ritt, der praktisch in der ersten Schlacht des Unabhängigkeitskrieges endete, in seinem gleichnamigen Gedicht „Paul Revere's Ride“ gebühren verewigt. Dem Helden selbst ist eine Reiterstatue in Boston gewidmet.

 


 

Weiter auf den Spuren des Krieges kamen wir am Copp's Hill Burying Ground vorbei, von wo aus die Briten die Amerikaner in Charlestown auf der anderen Seite vom Charles River während der Schlacht von Bunker Hill, den mittlerweile ein Obelisk als Denkmal ziert, beschossen. Folgt man immer noch dem Freedom Trail, dann überquert man den Fluss und hat einen tollen Ausblick auf den Yachthafen. Dann kann man eben dieses Denkmal und die USS Constitution besichtigen. Dies ist das älteste Kriegsschiff der Welt, das noch im Wasser liegt. Es hat ein eigenes Team von Seeleuten der Marine, die noch heute dort stationiert sind und wurde damals von George Washington selbst in Auftrag gegeben. Es wird übrigens auch „Old Ironside“ genannt, da die Kanonenkugeln an den Außenseiten des Schiffs abgeprallt sein sollen.

 

Eine Nixe :D :P

 


 

Ziemlich erschöpft und mit schweren Füßen spazierten wir wieder zurück zum Hafen nahe der Faneuil Hall und des Columbus Park, wo wir uns auf der Hafenmauer ein wenig ausruhten und das schöne Wetter genossen. Dabei konnte man ausgiebig den Ausflugs- und Privatschiffsverkehr beobachten und neidisch auf die eine oder andere Yacht blicken. Nach einer erholsamen Pause spazierten wir noch zu dem Ort, an dem damals die Boston Tea Party stattfand. Damals hatten sich Amerikaner, aufgebracht über die hohen Teesteuern der britischen Regierung, als Mohawk-Indianer verkleidet und von 3 britischen Handelsschiffen den ganzen Tee ins Hafenwasser geworfen. Heute findet man an der Stelle Nachbauten der Originale, von denen aus man auch Teepäckchen ins Wasser werfen kann.

 


 

Mit einem gesunden Salat machten wir es uns dann in der Nähe irgendeiner alternativen Musik-und-Bewegungs-Veranstaltung bequem und genossen den Ausblick auf die Türme des Finanzzentrums von Boston.

 


 

Schließlich kehrten wir in unser Hostel zurück – in der Innenstadt ist alles fußläufig sehr gut zu erreichen, das sind wir von NYC anderes gewöhnt. Im Hostel machten wir uns frisch und spazierten dann zum Copley Square, wo neben den Hochhäusern die Public Library wieder sehr besonders wirkte.

 


 

Nachdem wir dem Fest dort ein wenig zugeschaut hatten, besuchten wir ganz stilecht einen Irish Pub (endlich ein Guinness – obwohl das hier in Amerika viel weniger herb als in Deutschland oder Irland schmeckt...) und dann eine Tequilabar, deren Sangria ziemlich gut war (die nur leider von dem Schmelzwasser der vielen Eiswürfel verdünnt wurde).

 

Black is beautiful - indeed! 

 

In guter Stimmung spazierten wir dann schließlich wieder ins Hostel zurück und verbrachten die Nacht in unserem stickigen Zimmerchen in unbequemen Betten. Am nächsten Morgen wartete erstmal ein typisch amerikanisches Frühstück, also Bacon, Hashbrowns, Pancakes und Rührei (das besser hätte sein können) auf uns. Nachteil daran ist, dass man nachher noch viel müder ist als vorher, da es einem so schwer im Magen liegt. Vorteil ist, dass man sich bis zum Nachmittag gut gesättigt fühlt. Nachher verabschiedeten wir uns von Boston selbst und brachten unser Gepäck wieder zum Auto. Dann spazierten wir zum Harvard Square und schließlich zur Harvard University selbst, wo wir auf den Spuren von Berühmtheiten wie JFK, der auch in Boston geboren wurde, wandelten und uns vom Flair dieser englisch anmutenden, altehrwürdigen Elite-Universität berauschen. (Mich würde es ja stören, dort zu studieren – bei den vielen Touristen die ganze Zeit... ) Harvard hat wirklich einen hübschen Campus – viel Grün und dazu das starke Braunrot der Backsteinmauern, denen die weißen Türmchen eine gewisse Leichtigkeit verleihen. Hinter dem einen oder anderen Haus verbarg sich auch ein hübsches Gärtchen und für einen Moment wünschte ich mich nach Irland zurück.

 

 

"Stille Nacht" sogar auf Deutsch in den Gesangsbüchern einer Campuskirche! 

 

Wie irisch...

 

 

 

In diesem Wohnheim würde ichs auch aushalten...  

 

 

The man himself - John Harvard (und 100 Chinesen, die alle den Fuß anfassten - muss wohl Wissen oder Glück oder Weisheit bringen :D ) 

 

Leider brach dann ein starker Regenschauer über uns herein, und nachdem wir diesen in den verschiedensten Geschäften am Harvard Square ausgeharrt hatten und die eine oder andere Kuriosität im Urban Outfiters-Laden entdeckt hatten, die man wegen der Gewichtsbeschränkungen für das Gepäck aber nicht mitnehmen kann, spazierten wir zurück zum Auto und machten uns auf den Heimweg. Nach einer Ewigkeit – Sonntagnachmittag befinden sich halb Massachusetts und zwei Drittel von Connecticut auf genau dieser Route, wie es den Anschein hatte – kamen wir schließlich in Tarrytown an, und während ich meine Sachen in Annas Auto zusammenpackte, kam auch schon mein Zug nach Poughkeepsie. So endete auch eines meiner letzten, spannenden, erlebnis- und erfahrungsreichen Wochenenden in den USA, aber Boston habe ich lieb gewonnen. In dieser Stadt, die europäische Elemente mit amerikanischem Großstadtcharme verbindet und dabei eine gewisse Bodenständigkeit behält, könnte ich es länger aushalten.

4.8.14 04:10, kommentieren

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22.07.: Von der Stadt, die auch am 4. Wochenende dort noch begeistern kann

 

Der Titel ist Programm – am Wochenende wurde aus den verschiedensten Gründen nicht viel geschlafen. Früh zeitig ging es immer wieder nach NYC, und durch einen Steinschlag auf der Bahnstrecke wurde auch der Samstagabend unerwartet lang – wenn man nämlich statt 2 ganze 4 Stunden braucht und morgens zeitiger raus muss, weil man sonst zu spät ist und sich nicht drauf verlassen kann, dass um die Zeit wieder alles in Ordnung ist. Samstag klingelte deswegen kurz nach halb 5 der Wecker, Sonntag um halb 7 – auf die Dauer ganz schön anstrengend, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist. Was ich dafür aber gesehen habe, war mal wieder atemberaubend und an meinem letzten vollen New York-Wochenende entfaltete die spannendeste Stadt der Welt noch mal in ihrem ganzen Facettenreichtum. Jedesmal, wenn ich mit dem Zug am Hudson entlang Richtung New York City fahre und dann am Horizont die Skyline Manhattans auftaucht, fühle ich immer noch so ein bisschen Aufregung und Vorfreude darauf, und wenn man an der Grand Central Station vom Bahnsteig in die Haupthalle kommt und zum ersten Mal ein bisschen wieder den rasenden Puls dieser Stadt fühlt, kann man nicht anders, als einerseits darüber zu stauen und sich andererseits mitreißen zu lassen.

An diesem Samstagmorgen war selbst die Stadt, die niemals schläft, noch nicht zu Hochtouren aufgelaufen. Entspannt fuhr ich mit der Subway zum Bowling Green und nachdem ich ausgiebig die nun zum Greifen nahe Skyline des Financial District bestaunt hatte, machte ich mich auf den Weg durch die Kontrollen zur Fähre. Freitagabend hatte ich wieder gebacken und natürlich einen Teil davon als Proviant mitgenommen – der Mann, der an diesen Gepäckcheckmaschinen meine Sachen durchleuchtete, schaute ziemlich doof. Schließlich saß ich auf dem Sonnendeck (leider war es bewölkt) der Fähre und bedankte mich im Geiste einmal über den Atlantik hinweg bei Frau Rocho, die mir den Tipp gegeben hatte, möglichst zeitig ein Boot zu nehmen.

Dann ging es auch schon los – auf der einen Seite konnte man weiterhin die Skyline genießen und den Freedom Tower bestaunen, der über allem thronte... dagegen sah das Empire State Building drüben in Midtown ziemlich winzig aus.

Erster Halt war Liberty Island mit der Freiheitsstatue, und da ich sitzen blieb, war ich bald fast die einzige Passagierin. Mein Ziel war nämlich nicht die „Lady in the Bay“, sondern die „Isle of Hope and Tears“ - Ellis Island!

 


 

Seit ich das (fast) gleichnamige Lied von Celtic Woman, „Isle of Hope, Isle of Tears“ gehört habe, habe ich mir vorgenommen, einmal Ellis Island zu besuchen. Dort setzten all die Dampfer aus Europa ab 1892 ihre Passagiere ab, die dann auf dieser Insel gründlich durchgecheckt wurden. Eine 5-7 Sekunden-Prüfung wurde der Gesundheit gewidmet, außerdem wurde kontrolliert, ob die Einwanderer schon mal aktenkundig geworden waren, und zwischen den Prüfungen hieß es: Warten, warten, warten. Man kann durch diese Hallen laufen, durch die vor einem schon so viele Millionen Hoffnungs- und Erwartungsvoller gelaufen sind. Man kann sich vorstellen, wie sie sich gefühlt haben mögen, und man erinnert sich automatisch daran, wie man sich gefühlt hat, als man das erste Mal amerikanischen Boden betreten oder die Skyline von NYC gesehen hat und wie man sich dachte: Das ist jetzt erstmal mein Zuhause. Natürlich ist heutzutage, wenn man erstmal ein Visum hat, die Wahrscheinlichkeit viel geringer, dass man wieder nach Hause geschickt wird. Auch ist die Reise weitaus kürzer und angenehmer als auf den überfüllten Schiffen, aber so ein bisschen fühlt man sich mit den Millionen Menschen und Millionen Schicksalen verbunden. Ein besonders anrührender Punkt ist der „kissing post“, wo die neuen Einwanderer endlich mit ihren schon vorgereisten Verwandten und Bekannten wieder vereint wurden. Daneben befindet sich übrigens ein kleines Internetcafé, wo man nach seinen Vorfahren in den Registern von Ellis Island suchen kann – das gibt es auch im Internet, und unter uns: Es gibt soooo viele, die Gloss heißen und aus Sachsen gekommen sind.

 


 

 

Wer findet den Rechtschreibfehler?

 

Dort wurde damals gewartet... und gewartet... und gewartet...

 

Einen Großteil des Hauptgebäudes, von dem noch immer nicht alles frei zugänglich ist, da Hurricane Sandy seine Spuren sehr deutlich hinterlassen hat, nimmt auch eine große Ausstellung über die Einwanderer ein – von der Entdeckung und Besiedelung Amerikas bis heute. Diese ist sehr hübsch gestaltet, teilweise sogar ein bisschen interaktiv, und wahnsinnig interessant – denn sie zeigt Einzelschicksale, spricht von der Begeisterung und der Vorfreude der Einwanderer genauso wie von ihren Ängsten, erzählt von den ungewollten Einwanderern aus Afrika und von Sklaverei, von Leuten aus Asien genauso wie aus Europa und von der Besiedelung des ganzen Landes genauso wie von Fremdenfeindlichkeit und Argwohn den Neuen gegenüber. Unterstützend dazu bekommt man einen kostenlosen Audioguide dazu, was das Erlebnis sozusagen komplett macht.

 

 Steps of Separation und am Ende des Ganges der Kissing Post

 

Da ich noch genug Zeit bis zur nächsten Fähre hatte, stellte ich mich an eine der Mauern und schaute auf Manhattan, noch immer voll mit den Eindrücken aus dem Museum und staunend über diese Skyline – manchmal erscheint es mir immer noch zu schön um wahr zu sein, dass ich hier bin.

Zurück auf dem Festland bzw auf Manhattan, traf ich Anna und wir beide erkundeten den Financial District. Auf der berühmten Wall Street kamen wir nicht an Tiffany & Co. vorbei, was besonders die gute Anna sehr glücklich machte.

 

Hier hat George Washington seinen Eid als erster Präsident der Vereinigten Staaten geleistet

 

Stock Exchange

 

Vorbei am Stock Exchange kamen wir dann zu einer kleinen Kirche inmitten der Hochhauswände, die in ihrer Bescheidenheit zwischen diesen Wolkenkratzern sehr niedlich, aber genau deswegen aufsehenerregend wirkte. Die St Paul's Chapel war Unterkunft und Stützpunkt genauso wie Seelsorgeort und Gebetshaus für die Helfer und Aufräumenden am Ground Zero gewesen und gab uns in einer anrührenden Ausstellung zu diesen Unterstützern nach der Katastrophe einen Vorgeschmack auf das, was auf uns als nächstes wartete.

 

Rechts St Paul's, links der Freedom Tower

 

 

 

 

Das, was von den Anschlägen auf das WTC am 11. September geblieben ist, sieht man schon von weitem, auch von Ellis Island aus. Man schaut auf die vielen hohen Gebäude und auf den Freedom Tower und dann schaut man nochmal hin, weil einen irgendetwas irritiert hat. Genau, dort fehlt was – dazwischen scheint ein Loch zu sein, eine Freifläche, die unbebaut scheint – und dann fällt es einem wieder ein, was da fehlt. Mittlerweile ist das Areal des WTC, das ja wieder aufgebaut wird, eine riesige Baustelle, an der atemberaubende Wolkenkratzer und eine große Bahn- und ÖPNV-Station (die für mich aussieht wie ein dreidimensionales Fischskelett) hochgezogen werden. Aber noch wird fleißig gebaut, noch ist das Loch im Herzen Manhattans nicht geflickt. Und vollständig wird die Skyline nicht mehr so ausgefüllt werden, da es das vergleichweise kleine Museum und das große Areal des Ground Zero Memorial gibt.

 

Im Vordergrund - dort, wo die Kräne sind - ist der Bahnhof

 

Da die Schlange vor dem Museum selbst relativ abschrecken war, gaben wir uns mit dem Memorial zufrieden, das auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich ist. Dort, wo die Zwillingstürme standen, sind zwei große Wasserbecken (am besten schaut man sich das selbst auf den Fotos an) und Anna hat sie sehr treffend, wie ich finde, als die Löcher im Herzen New Yorks bezeichnet. Denn genau das ist damals passiert – diese Weltstadt wurde aufs Empfindlichste in ihr Herz getroffen, und man fühlt sich immer noch mitgenommen, wenn man das hier sieht. Auf den Rändern um die Becken herum befinden sich knapp 3000 Namen – die Namen der Menschen, die hier ums Leben gekommen sind, und man will gar nicht daran denken. Man will weder daran denken, wie diese Leute sich in ihren letzten Minuten gefühlt haben, noch daran, wie es ihren Angehörigen ergangen ist. Ich will es nicht – denn es ist für mich immer noch unbegreiflich und das wird es auch bleiben.

 

Das Memorial

 

Nach diesem Erlebnis hatten wir dann doch ganz schön Hunger – selbst mein letztes Backexperiment konnte da nur kurzzeitig Abhilfe schaffen. Also machten wir uns auf den Weg, vorbei an den Gerichten, der City Hall und der Brooklyn Bridge in einer der sogenannten „Neighborhoods“: Nach Chinatown! Erstes Ziel war das Restaurant, das laut Annas Reiseführer die besten chinesischen Nudeln von NYC hat. Der Eingang war sozusagen im Untergeschoss, man musste erst ein paar Stufen herunterlaufen. Der Tripadvisor-Aufkleber an der Tür dieses etwas heruntergekommenen, unscheinbaren Lokals überzeugte uns dann doch, einzutreten. Drinnen war es fast ein wenig wie in einer Puppenstube – nur vollgestopfter mit Tischen und Stühlen, einer Menge Leute und es roch nach chinesischem Essen. Gott sei Dank waren noch 2 Plätze frei, und so konnten wir das Restaurant an sich betrachten – ein großer Spiegel an der einen Wand, und die restlichen Quadratmeter Fläche waren über und über mit Bildern, Postkarten, Sprüchen und Zeitungsausschnitten beklebt. Auch das ist also New York – ein unscheinbares Lokal, das trotzdem ansprechend und spannend wirkt, schon ewig da zu sein scheint und die Leute immer noch begeistern kann.

 

Die Brooklyn Bridge!!

 

Nach einer Riesenportion Nudeln mit Ente und Soße machten wir uns auf, Chinatown zu erkundigen. Dort war es wieder wie im Film – überall die kleinen, vollgestopften Souvenir- und Krimskramsläden, bunte Leuchtreklamen mit chinesischen Schriftzeichen und das übliche New Yorker Chaos.

 

China in Amerika - Fernöstliches und Starbucks

 

 

 

Mit meinem nächsten großen Eiskaffee ausgestattet, hieß unser nächstes Ziel dann SoHo mit seinen einzigartigen gusseisernen Treppen- und Balkonkonstruktionen an den Außenfassaden. Wenn man das mal im Film oder auf Fotos gesehen hat – es sieht dort wirklich so aus! Teilweise verbergen sich dahinter hübsch hergerichtete Fassaden und die kreativen Lädchen im Erdgeschoss voll mit Designermöbeln und -klamotten weisen auf den Szeneviertelcharakter hin. Ich fand es er beeindruckend, dann aber fast schon knuffig. Es wirkte halt nicht ganz so teuer und chick wie Greenwich Village, und bei weitem nicht so englisch, aber irgendwie konnte man sich doch vorstellen, dort zu wohnen, weil es fast etwas Anheimelndes hatte.

 

 


 

Unser kurzentschlossener Ausflug zum Rockefeller Center, von wo wir den Sonnenuntergang anschauen wollten, entpuppte sich leider als Reinfall – für Sonnenuntergangszeit waren keine Karten mehr da. Und so endete unser Abend eher entspannt als beeindruckend, wenn man dann mal von meiner 4 Stunden-Zugfahrt absieht.

Am nächsten Morgen bestätigte sich mal wieder: Wenn man damit rechnet, dass der Zug zu spät ist, ist er es nicht. Wegen des Steinschlags und des daraus resultierenden Bahnchaos stand ich extra eine Stunde eher auf – und der Zug zur Grand Central Station war so pünktlich wie noch nie!

Mir blieb also nicht übrig, als mich dort auf einer der Treppen zu platzieren und mit einem Latte ausgestattet an meiner Projektarbeit zu arbeiten, bis ein Polizist alle Treppensitzer wegscheuchte. Ich wartete auf Anna und Saskia – wir waren nämlich zum Brunch verabredet. Natürlich ist Brunch hier nicht gleich Brunch, man konnte nur ein Gericht auswählen. Aber man konnte so viel Kaffee, Tee oder so viele Cocktails (das Angebot war auf 3 beschränkt) trinken, wie man wollte. Und so konnte ich nicht nur eine weitere amerikanische kulinarische Spezialität, den Breakfast Burrito, probieren, sondern auch genug Sekt mit Orangensaft (nennt sich im Fachjargon Mimosa) trinken.

 

 

 


 

In sehr guter Laune machten wir uns auf den Weg zum MoMA, dem Museum of Modern Art. Dort erwarteten uns neben wirklich, wirklich moderner und teilweise sehr abstrakter Kunst auch eine ganze Menge Meisterwerke von van Gogh, Munch, Picasso, Matisse, Dalì und so weiter. Besonders die obersten Etagen versetzten mich in den Kunsthimmel, und so begegnete ich auch dem beeindruckendsten impressionistischen Gemälde, das ich je gesehen habe: Eines von Monets „Seerosenteich“-Gemälden, das doch tatsächlich gut 10 m lang ist! Der absolute Wahnsinn – ich kann mir gar nicht vorstellen, so ein riesiges Bild zu malen, und wenn es dann auch noch so perfekt ist... allein die Geduld würde mir für so etwas fehlen. Ab da an konnte mich in diesem Museum nichts mehr so sehr beeindrucken wie dieses Bild, und wären meine Mitstreiterinnen nicht gewesen, hätte ich mich eine Stunde davor gesetzt und einfach nur das Bild angeschaut. Das mag verrückt erscheinen – jeder, der es verrückt findet, sollte selbst mal dort hingehen und es sich anschauen. Sowas habe ich bis jetzt noch nicht gesehen, und in diesem Jahr habe ich ziemlich viel weltberühmte Kunst zu Gesicht bekommen!

 

"Made in Western Germany" - soso

 

 

Ein sicheres Tagebuch

 

 

Monet... *seufz*

 

"Die Dynamik eines Fußballspielers" - hatte ich erwähnt, dass wir WELTMEISTER sind??

 

Marc Chagall - "Ich und das Dorf" 

 


 

Die teilweise sehr abstrakten Kunstformen – Videokunst etc – konnten mich dann natürlich nicht mehr so begeistern, aber ich war glücklich: Ich hatte den Seerosenteich gesehen.

Da es dann schon Abend wurde, genehmigten wir uns nochmal gehobeneres Fast Food – Chipotle ist echt nicht schlecht, und es reichte auch noch für ein halbes Mittagessen am nächsten Tag – und dann ging es auch schon wieder denn Fluss hinauf nach Poughkeepsie.

Dort war ein schöner Abend, nicht zu warm, nicht zu kalt, und so entschied ich mich, eine der Sehenswürdigkeiten zu betrachten, oder besser, zu begehen. Und so spazierte ich einmal den „Walkway over the Hudson“, die riesige Fußgängerbrücke, hoch und runter – also einmal über den Hudson und zurück. Der Sonnenuntergang war wirklich wunderschön und krönte ein ereignis- und erlebnisreiches Wochenende, das ich aber auch mit leichtem Wehmut abschloss - wer weiß, wann ich das nächste Mal so viel Zeit in NYC verbringen kann!

 

 

 


 

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